WirtschaftsBlatt Kommentar vom 7. 2. 2007: Klimawandel: Längst nicht mehr fünf vor zwölf - von Herbert Geyer

In ein paar Jahrzehnten werden wir daran gehen, dieses Problem zu lösen

Wien (OTS) - Hätten wir es nicht schon längst gewusst, nach dem Bericht des UN-Klimarates vom Ende der vergangenen Woche wissen wir es jedenfalls: Der Klimawandel durch unseren übermässigen Ausstoss von Treibhausgasen ist schon so weit fortgeschritten, dass sanfte Aktionen dagegen nichts mehr ausrichten können. Selbst wenn es gelänge, die Treibhausgasproduktion auf dem Niveau von 2000 einzufrieren, würde sich das Klima bis zum Ende dieses Jahrhunderts noch um mindestens ein Grad erwärmen.

Es ist also längst nicht mehr fünf vor zwölf, die Uhr ist schon um einiges weiter.

Interessant, wie mit dieser Erkenntnis rund um den Globus umgegangen wird: Die Amerikaner, die immerhin für ein Viertel der weltweit ausgestossenen Treibhausgase verantwortlich sind, tragen erst einmal die Uhr zum Service. Bekanntlich hat das American Enterprise Institute 10.000 Dollar für die Widerlegung der Klimarat-Prognosen ausgelobt.

Die Europäer streiten darüber, ob und wieviel Action sie ihrer Automobilindustrie aufbürden dürfen, um zumindest den Zuwachs an Treibhausgasen irgendwie zu begrenzen (siehe S. 8). In bewährter Weise scheint sich da wieder einmal die Industrie gegenüber der Umwelt durchzusetzen, obwohl Autos, die weniger CO2 ausstossen (was zwangsläufig bedeutet, dass sie sparsamer im Verbrauch sind) zweifellos ein Exportschlager wären.

Österreich hat es offenbar bereits aufgegeben, für das Problem im eigenen Land nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen - hierzulande forscht man nur noch nach kostengünstigen Möglichkeiten, es zu exportieren (indem man billige Emissionszertifikate im Ausland kauft).

Einziger Lichtblick scheint in diesen Tage China zu sein, wo - ohne durch internationale Vereinbarungen gezwungen zu sein - der Einstieg in den Emissionshandel geplant ist. Freilich ist China drauf und dran, die USA als grösster CO2-Emittent abzulösen und hat schon aus dem Grund, die ausufernden Energieimporte ein wenig einzudämmen, grösstes Interesse an effizienterer Energienutzung. Ausserdem scheint hinter dem geplanten Emissionshandel vor allem die Erkenntnis zu stehen, dass sich nicht nur Waren Made in China gut exportieren lassen, sondern auch Emissionszertifikate. Von einer echten Reduktion der Emissionen kann natürlich auch da keine Rede sein.

Alles in allem: Die Welt hat das Problem erkannt. Bis sie daran geht, es auch zu lösen, wird es wohl nur noch ein paar Jahrzehnte dauern.

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