"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Feldherr Tony Blair" (Von MONIKA DAJC)

Ausgabe vom 5. Februar 2007

Innsbruck (OTS) - Endlose Barbarei im Irak und kein
Hoffnungsstrahl am Horizont. Hohe Professionalität ihrer Armeen war für Präsident Bush und Premier Blair vor Jahren das Hauptargument stolzer Siegeszuversicht. Pannen und eklatante Fehlleistungen gab es von Anfang an. Die uniformierten Folterer von Abu Ghraib machten dann psychische Abgründe in den Reihen der US-Soldaten bewusst. Und als ob es nicht auch bei den Briten schon genug Blamables gegeben hätte, war noch eine Steigerung möglich: Die Regierung Blair musste nun unter dem Druck einer parlamentarischen Anfrage gestehen, dass auch minderjährige Soldaten in den Irak geschickt wurden. Die Welt darf erneut staunen, welche Versehen im sonst so stolzen Britannien bei einem Unternehmen von größter Tragweite möglich sind.

Mit dem Irak-Engagement gegen den Willen der Mehrheit der Briten peilte der Premierminister für sich weltpolitisches Format an. Geworden ist daraus ein beispielloser Absturz.

Lügen und halbe Wahrheiten brachten den Regierungschef von lichten Höhen in das absolute Tief der Popularität. Die Parteibasis ging schon im vorigen Herbst auf deutliche Distanz zur verblassten Lichtgestalt Blair. Monate später will sich der Premier immer noch nicht darauf festlegen, wann er sein Amt zugunsten von Schatzkanzler Gordon Brown aufgibt.

Der Irak wühlt Blairs Landsleute auf. Dazu kommt noch der jüngste Skandal um den Handel mit Adelstiteln zugunsten der Labour-Kasse. 56 Prozent fordern den sofortigen Rücktritt des Premiers. Doch Blair hebt erneut in atemberaubende Höhen der Dreistigkeit ab: In der Politik, an der Spitze, so belehrt er, gewöhne man sich an die wiederkehrenden Stürme. Der Premier ist politisch tot, ohne jede Chance einer Wiederauferstehung. Eine Figur der Vergangenheit erhebt in völliger Verblendung oder Leugnung der Realität Anspruch auf Zukunft.

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