"KURIER"-Kommentar: Christoph Kotanko über den Sinneswandel durch den Klimawandel

Kein Anlass zur Hysterie - doch die Fakten dürfen nicht verdrängt werden.

Wien (OTS) - Nur ein Tagesthema für Umwelt-Hysteriker und Politiker, die nichts Besseres zu tun haben? Ein Hirngespinst wie die falschen Prophezeiungen der Siebziger- und Achtzigerjahre (neue Eiszeit, saurer Regen, Waldsterben)? Ein alarmistischer Schub, der bloß von näherliegenden Problemen ablenken soll?
Der aktuelle Klima-Bericht der UNO sorgt für heiße Debatten. Fakten und Fiktion werden oft vermischt. Während die einen in fetten Überschriften den drohenden Weltuntergang beschwören, spötteln andere über den "Glamour der Weltheilung" (Die Weltwoche, Schweiz). Mit abschließende Deutungen der Daten sollte man vorsichtig sein, doch an bestimmten Tatsachen kommt keiner vorbei. Bis vor rund 250 Jahren war der Einfluss des Menschen auf das komplizierte Klima-System gering. Seit der Industrialisierung hat sich die Zusammensetzung der Atmosphäre, besonders der Gehalt an Treibhausgasen, durch menschliches Zutun erkennbar erhöht. Dieser Prozess beschleunigt sich.
Von Fachleuten gemessen und von uns Laien gefühlt ist weiters die Häufung von warmen Jahren. Das ist mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit ein Zeichen für eine umfassende Änderung des Klimas. Daran ändert auch der Befund nichts, dass es regional weiterhin Kälteperioden geben kann. Auch die größten Zweifler müssen z. B. zur Kenntnis nehmen, dass einst große Gletscher heute weiter zurückgeschmolzen sind als je zuvor in den vergangenen fünftausend Jahren. Dass die Dekade 1996 bis 2005 die wärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1861 war, steht ebenfalls außer Zweifel.
Auf unserer Erde wird es in den kommenden 30 Jahren nachweisbar wärmer, am stärksten in den nördlichen Breiten; viel Eis wird schmelzen, der Meeresspiegel erkennbar steigen. Und so sicher wie nie zuvor steht fest, dass der Mensch für die Veränderungen seiner Umwelt verantwortlich ist.
Die Folgen sind abzusehen; da ist nichts künstlich zu dramatisieren. In Mitteleuropa wird die Wintersport-Industrie
(die heute noch den Wohlstand in großen Gebieten Westösterreichs garantiert) in Schwierigkeiten geraten. Während Obertauern, Ischgl und ähnlich hoch gelegene Skiorte attraktiver werden, verlieren tiefer gelegene Gemeinden die Schneesicherheit. Niemand reist im Winter in entlegene Täler, um dort im Gatsch herumzustiefeln. Die Sommersaison wird wichtiger, die Konkurrenz der Fremdenverkehrsorte härter.
Diese Probleme sind lösbar. Machtlos scheint der Mensch gegen die Folgen in den Subtropen - Austrocknung, Wassermangel - und die Erhöhung des Meeresspiegels, die für Siedlungen an den Küsten katastrophal sein kann.
Der Klimawandel müsste einen Sinneswandel bringen, global und individuell. Viel ist jetzt die Rede von grenzüberschreitenden Maßnahmen bis hin zur "ökologischen Weltregierung". Klingt gut, ist aber nach aller Erfahrung schwer umzusetzen. Die Hoffnung auf ein Welt-Wunder sollte uns nicht abhalten, selbst etwas zu tun. Umweltschutz wird zur Selbstverpflichtung für jeden Einzelnen.

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