Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Tagebuch

Nie wieder

Wien (OTS) - Seit der endgültigen grünen Machtübernahme in der "Zeit im Bild" geht es dort ziemlich deftig zu. Da tritt etwa ein Redakteur auf und watscht aggressiv den ehemaligen Verteidigungsminister ab, weil dieser einem Beamten eines anderen Ministeriums eine rechtswidrige Weisung gegeben hätte.

Doch kein Wort davon, dass sich eben dieser Beamte erst Tage zuvor durch widersprüchliche Aussagen über Politikerbilder als Zielscheiben blamiert hat; dass die angebliche Weisung die Anstiftung zu einem Verbrechen, nämlich einem Betrug, darstellen würde; dass jeder Beamte eine solche Weisung abzulehnen und auf deren schriftlicher Ausfertigung zu bestehen hat; dass kein Beamter von einem fremden Minister Weisungen entgegennehmen darf, selbst wenn sie nicht rechtswidrig wären. Und auch kein Wort davon, dass der Beamte selbst zugibt, dass diese angebliche Weisung dann ja gar nicht umgesetzt worden ist.

Ziemlich viel wirre Ahnungslosigkeit. Und das alles nur, um Peter Pilz beizuspringen?

Dass jener Minister, nämlich Günther Platter, in Sachen Kommunikation ein ahnungsloser Tor ist, ändert im Übrigen nichts an den ORF-Patzern.

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Wozu die 500. Aufregung in Sachen Vergangenheits-"Bewältigung", wurde gestern an dieser Stelle gefragt. Damit es "nie wieder" zu solchen Verbrechen komme, haben etliche Leser geantwortet. Diese Intention ist absolut zu teilen. Nur nutzt dazu die rückwärts gewandte Sündenzählerei wenig.

Wer neue Völkermorde ernsthaft verhindern will, sollte weniger nach alten Fotos kramen, sondern gegen den heutigen Völkermord in Darfur viel energischer vorgehen, als das Europa derzeit tut. Wer die Demokratie retten will, dürfte nicht opportunistisch auf die Öl-Diktaturen in Russland und Venezuela reagieren. Wer der Kriegsgefahr entgegentreten will, müsste konsequenter als bisher gegen die Atomrüstung Irans und Nordkoreas auftreten. Wer eine künftige Depression mit all ihren Folgen verhindern will, sollte populistischen Schuldenmachern entgegentreten. Wer um die Menschenrechte bangt, sollte dafür kämpfen, dass sie auch total unsympathischen Menschen zukommt.

Denen, die all das nicht tun, geht es aber in Wahrheit nur um parteipolitisches Kleinstgeld.

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