OVS116: Forschung braucht Geld - und ein bisschen mehr

Wien (OTS) - Skisport, Musik und Wissenschaft mögen in Österreich auf den ersten Blick nicht allzu viel gemeinsam haben. Wenn es aber um international sichtbare Exzellenz geht, könne sich die heimische Scientific Community sehr wohl an Erfolgen auf den Skipisten und in der Oper orientieren, machte Molekularbiologe Josef Penninger gestern, Dienstag Abend, einen forschungspolitischen "Einkehrschwung" beim APA-BranchenTreff in der Wiener APA-Zentrale zum Thema "Forschung braucht Geld - und ein bisschen mehr".

Dass Österreich ein kleines Land sei und aus diesem Grund auch bei Forschungsleistungen global nur ein "kleiner Spieler" sein könne, wollte Penninger, Chef des Wiener Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA), darum nicht als Ausrede gelten lassen. Eine Reputation wie beim Skifahren oder der Oper solle auch in der Wissenschaft möglich sein, befand der Forscher, und präsentierte dafür eine Reihe seiner "Träume". Um in Zukunft wieder einen "Mozart der Wissenschaft" hervorzubringen, bedürfe es vor allem mehr Qualität in der Ausbildung, und dies auf breiterer Basis als bisher: "Unser Bodenschatz ist die Intellektualität unserer Kinder".

Auch die mediale Wissenschafts-Berichterstattung nahm Penninger ins Gebet. So hätten es die besten Forschungs-News des Tages durchaus verdient, im Rahmen der ZiB 1 gesendet zu werden. Daneben forderte der Molekularbiologe eine "Kultur des Mutes", die mehr Risikobereitschaft zu Tage fördern solle. Junge Wissenschafter sollten viel unabhängiger und über Jahre hindurch in Frieden arbeiten können, wofür auch horizontalere Strukturen erforderlich seien. Zu einer verbesserten "Kultur der Forschung" sollte eine liberalere Erwartungshaltung in Bezug auf Forschungsergebnisse beitragen. An die neue Regierung richtete Penninger den Wunsch, einen Weisenrat für die Grundlagenforschung einzurichten, Fördergelder besser zu fokussieren und Clusters of Excellence zu forcieren.

Nur "zur Hälfte" zeigte sich TU-Rektor Peter Skalicky mit Penningers Ausführungen einverstanden, die ihm vielfach "zu negativ" erschienen. Als Gründe für heutige strukturelle Mängel zieht Skalicky historische Gründe zu Rate. Nach einem Wissenschafter-Aderlass während des Zweiten Weltkriegs sei es in der Nachkriegszeit versäumt worden, dauerhafte Strukturen zu errichten mit dem Resultat geringer Akademikerquoten und einem niederen Stellenwert der Wissenschaft an sich.

Als eine "Autoimmunerkrankung" erachtete es der TU-Rektor, dass in der Forschung von zu vielen "Gurus" und Evaluatoren herumgestochert werde und sich der eigentliche Forscher inmitten dieses Gemenges bereits in der Minderheit befände. Internationale Rankings im Forschungs- und Bildungsbereich (OECD, PISA etc.), die Österreich teilweise ein schlechtes Zeugnis ausstellen, hält Skalicky für teils missverständlich erstellt, teils zu pessimistisch.

Zurück auf die forschungspolitische Piste begab sich Andreas Reichhardt, Sektionsleiter für Innovation und Telekommunikation im Infrastrukturministerium. Spitzenleistungen sowohl im Skiport als auch in der Forschung seien nur durch optimale Rahmenbedingungen und Strukturen gewährleistet, die er in den Ansagen des neuen Regierungsprogramms erfüllt sieht. Wert legte Reichhardt darauf, die Beachtung nicht nur der Spitze zu widmen, sondern in erster Linie dem Wohlstand, der Beschäftigung und einem breiten Wirtschaftswachstum.

Siegfried Reich, Geschäftsführer von Salzburg Research, griff die sportliche Metapher auf, indem er seine Forschungsgesellschaft als Berg verstand, auf dem Skilehrer die Skifahrer möglichst gut ausbilden. Der Erfolg komme durch gute Ausbildungsstätten und die Unterscheidung in verschiedene Typen zustande. Im angewandten Forschungsbereich seien besonders Wissenschafter gefragt, "die auch etwas von betrieblichen Innovationsprozessen verstehen." Benötigt würden längere Zeiträume für die Forschung, die den Wissenschaftern mehr Sicherheit bieten sollten. An die Politik gerichtet forderte Reich eine Verlängerung der Kompetenzzentren-Programme, die ruhig auch 15 bis 20 Jahre laufen dürften.

FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner wollte in der Diskussion die internationale Perspektive stärker gewürdigt wissen. Für die FFG werde es im Europäischen Forschungsraum immer wichtiger, zu kooperieren, anstatt sich zu lediglich zu positionieren. Durch ERA (European Research Area) würden sektorale Ansätze nach und nach gesprengt. Als Zukunftsthemen ortet Pseiner etwa die Frage, wie in der Forschung "kontrolliert" mehr Risiko genommen werden und wie man mehr forschende Leitbetriebe nach Österreich bekommen könnte.

Als System, dessen "Intelligenz" erhöht werden müsse, möchte Peter Kowalski, Sektionschef im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur, die Forschungspolitik verstanden wissen. Gute Ansätze eines solchen intelligenten Systems konstatierte Kowalski dem Regierungsprogramm-Kapitel zu Forschung, Technologie und Innovation. Im Unterschied zu früheren Erklärungen seien Ziele wie die Drei-Prozent-Forschungsquote und ein angepeilter Strukturwandel klipp und klar festgeschrieben. Auch der Stellenwert von Humanressourcen sei erstmals "mit Zahlen hinterlegt". Als Fortschritt im Parlament sieht Kowalski die Einrichtung eines forschungspolitischen Ausschusses, in dem auch alle Parteien themenbezogen diskutieren wollen.

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