Ö3-Geisterfahrerstatistik 2006: Niedrigste Zahl seit fünf Jahren

Wien (OTS) - Die Anzahl der Geisterfahrermeldungen im Hitradio Ö3 hat sich 2006 deutlich auf 486 reduziert. Das bedeutet ein Minus von knapp sieben Prozent. Damit hat sich der erfreuliche Abwärtstrend aus dem Vorjahr fortgesetzt und erstmals seit 2001 ist die Gesamtzahl auf unter 500 gesunken. Der stärkste Monat im Jahr 2006 war der Juni, das dritte Quartal (Sommermonate) war auch das stärkste Quartal im letzten Jahr. Bei den Bundesländern führt das dritte Jahr in Folge Niederösterreich vor der Steiermark und Kärnten bei den Ö3-Geisterfahrermeldungen. Zehn Geisterfahrer an einem Tag - so viele wie noch nie - gab es am 25.6.2006.

Den stärksten relativen Zuwachs an Geisterfahrern gab es in Niederösterreich und Vorarlberg, den stärksten Rückgang in Wien und Tirol. Das am stärksten betroffene Teilstück war die A2 im Kärntner Wörtherseeabschnitt zwischen Klagenfurt-Ost und Villach mit 31 Geisterfahrermeldungen. Auffällig laut Ö3-Verkehrsredaktion ist auch die S1 im Südosten von Wien, die nach Freigabe der Strecke zwischen Schwechat und Vösendorf Ende April mit 20 Meldungen auf Rang 3 rangiert. Besonders positiv entwickelt hat sich die Situation auf der A12 im Tiroler Unterland, dem gefährlichsten Teilstück 2005. Hier gab es nur ein Viertel der Geisterfahrer von 2005.

Ö3-Detailanalyse: Wo sind Geisterfahrer unterwegs?
Die Bundesländerstatistik führt erneut Niederösterreich (141 Meldungen, 2005: 117), wobei sich der Abstand zu den anderen Bundesländern deutlich vergrößert hat Auf Rang 2 folgt die Steiermark (84, 2005: 96), gefolgt von Kärnten (72, 2005: 75). Auf Rang 4 nach vor geschoben hat sich Oberösterreich (57, 2005: 53). Tirol (44, 2005: 73) ist aufgrund des deutlichen Rückgangs auf Rang 5 gefallen. Mit Abstand dahinter folgen Salzburg (29, 2005: 38) und Vorarlberg (25, 2005: 19). Rang 8 teilen sich das Burgenland (17, 2005: 15) und Wien (17, 2005: 35), wobei sich in Wien die Anzahl gegenüber 2005 mehr als halbiert hat.

Veränderungen:
Durch die Freigabe der S1 zwischen Vösendorf und Schwechat Ende April hat sich die Anzahl der Geisterfahrer auf der S1 drastisch um 16 Meldungen auf 20 (+400%) erhöht. Auf der Westautobahn (+13 Meldungen, +31%) gab es ebenfalls einen deutlichen Anstieg gegenüber 2005. Deutlich verringert haben sich die Geisterfahrten auf der Inntalautobahn (-25 Meldungen, -46%) und auf der Ostautobahn (-20 Meldungen, -20%). Nur einen einzigen Geisterfahrer gab es 2006 auf der S2. Kein einziger Geisterfahrer wurde auf der S4 registriert. Auffallend ist auch, dass abseits der Autobahnen und Schnellstraßen lediglich auf der Wiener Nordbrücke zwei Geisterfahrer gesehen wurden. Bundesstraßen blieben 2006 - im deutlichen Gegensatz zum Jahr davor - von Geisterfahrern verschont.

Autobahnteilstücke:
Das 2006 am stärksten betroffene Autobahnteilstück war die A2, Südautobahn, zwischen Klagenfurt-Ost und dem Knoten Villach. Auf diesem Autobahnstück musste 31 Mal (2005: 27) vor Geisterfahrern gewarnt werden.
Dahinter folgen die A2 im Raum Wr. Neustadt mit 26 Meldungen (2005:
15) und die S1 zwischen Vösendorf und Schwechat mit 20 Meldungen (2005: 4 - noch nicht ausgebaut).

Unfallbilanz:
Auch 2006 verursachten Geisterfahrer mehrere Unfälle. Einer der Unfälle hatte tödliche Folgen: Am 26.10.2006 starben zwei Personen in Linz auf der A7 der Mühlkreisautobahn. Der PKW, der auf der falschen Richtungsfahrbahn unterwegs war, prallte frontal gegen ein Fahrzeug des ARBÖ-Pannendienstes. Die beiden Insassen des PKW starben. Zum Vergleich: 2005 starben acht Personen bei Geisterfahrerunfällen. Seit 1987 sind 99 Personen bei Geisterfahrerunfällen ums Leben gekommen.

Bundesländerbilanz im Detail:

Niederösterreich
Wie schon in den letzten beiden Jahren führt Niederösterreich die Bundesländerstatistik an.
Nicht nur das: NÖ verzeichnet mit 141 Meldungen (2005: 117) die höchste Anzahl seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1994. Der Zuwachs gegenüber 2005 beträgt 21%.
Mitverantwortlich dafür ist die Fertigstellung der S1 zwischen Schwechat und dem Knoten Vösendorf Ende April. Den ersten Geisterfahrer am neuen Abschnitt gab es übrigens am 7.5.2006. Mit 20 Geisterfahrermeldungen liegt die S1 im Ranking der gefährlichsten Abschnitte Österreichs auf Anhieb auf Rang 3. Noch davor auf Rang 2 liegt die A2 im Raum Wr. Neustadt mit 26 Meldungen (2005: 15). Dieser Abschnitt zählt zu jenen, wo sich die Anzahl der Meldungen besonders stark erhöht hat (73%).
Erhöht hat sich auch die Anzahl u.a. auf der A1 im Raum Amstetten (12; 2005: 7) und auf der S6 im niederösterreichischen Abschnitt (11; 2005: 8).
Am deutlichsten reduziert haben sich die Meldungen auf der A4 im niederösterreichischen Abschnitt (5; 2005: 14).
Tödliche Geisterfahrerunfälle haben sich in NÖ 2006 nicht ereignet, dennoch gab es auch 2006 einen schweren Geisterfahrerunfall in NÖ. Am 21.5. wurden nach einem Frontalzusammenstoß auf der A1 bei Haag zwei Personen schwer und drei Menschen leicht verletzt.
Am Rekordtag, dem 25. Juni 2006, kamen vier der 10 Geisterfahrermeldungen dieses Tages aus Niederösterreich.

Steiermark
Die Steiermark liegt zwar weiterhin auf Rang 2 in der Bundesländerstatistik, weist aber mit 84 Meldungen (2005: 96) den niedrigsten Wert seit 2001 auf. Der Rückgang gegenüber 2005 beträgt 13%.
Das gefährlichste steirische Teilstück war 2006 die A9 im Raum Liezen zwischen dem Bosrucktunnel und dem Knoten St. Michael mit 17 Meldungen (2005: 4). Hier hat sich die Anzahl mehr als vervierfacht und österreichweit liegt dieser Abschnitt auf Rang 4. Auch auf der A2 im Raum Graz hat sich die Anzahl der Meldungen deutlich erhöht auf 15 (2005: 10), umgekehrt gab es auf der S6 im steirischen Abschnitt einen deutlichen Rückgang (12; 2005: 17), ebenso auf der A2 im Wechselabschnitt (10; 2005: 17). Auf der S35 im Raum Bruck, wo 2005 kein einziger Geisterfahrer registriert worden war, wurden 2006 immerhin 4 Falschfahrer gezählt.
Betrachtet man die Autobahnknoten, so wurden im Knoten Graz-West (A2/A9) 5 Geisterfahrer gezählt (2005: 4), im Knoten St. Michael (A2/S6) 2 Geisterfahrer (2005: 1).
Mindestens zweimal waren LKW-Fahrer in der Steiermark als Geisterfahrer unterwegs, am 29. August konnte ein Privatlenker einen Geisterfahrer stoppen. Und am 15. Oktober verursachte ein Geisterfahrer einen Unfall auf der S6 zwischen Bruck und Mürzzuschlag und konnte danach unbehelligt entkommen.

Kärnten
Kärnten nimmt in der Bundesländerwertung wie schon im Jahr davor Rang 3 ein mit 72 Meldungen (2005: 75).
Die Anzahl hat sich geringfügig um 4% reduziert.
In Kärnten liegt der gefährlichste Abschnitt Österreichs, die A2 zwischen Klagenfurt-Ost und dem Knoten Villach, wo 31 Geisterfahrer gezählt wurden (2005: 27). Seit 2000 wurden von diesem Bereich nicht weniger als 191 Geisterfahrer gemeldet - damit ist der Wörtherseeabschnitt auch über die letzten Jahre gesehen das gefährlichste Autobahnteilstück Österreichs.
Deutlich ist auch der Zuwachs im Abschnitt A10 zwischen dem Knoten Spittal und Knoten Villach auf 16 Meldungen (2005: 11).
Reduziert hat sich die Anzahl auf der A2 zwischen Klagenfurt-Ost und Bad St. Leonhard auf 11 Meldungen (2005: 15).
Am 16. Jänner streifte eine Geisterfahrerin einen LKW und wurde dabei schwer verletzt.

Oberösterreich
Oberösterreich rangiert nach einjähriger Unterbrechung wieder vor Tirol in der Bundesländerstatistik auf Rang 4 mit 57 Meldungen (2005:
53 Meldungen). Der Zuwachs beträgt 8%.
Das oberösterreichische Teilstück mit den meisten Geisterfahrern war die A1 im Raum Linz, wo sich die Anzahl gegenüber 2005 verdoppelt hat (12; 2005: 6). Deutlich erhöht hat sich die Anzahl auch auf der A1 im oberösterreichischen Seengebiet auf 10 Meldungen (2005: 4). Auf den übrigen Abschnitten in OÖ hat sich die Situation nur wenig oder gar nicht verändert.
Der einzige tödliche Geisterfahrerunfall 2006 hat sich am 26.10. in Linz auf der Mühlkreisautobahn ereignet. Im Bereich der VÖEST prallte ein PKW, der falsch aufgefahren war, gegen ein Pannenfahrzeug des ARBÖ. Die beiden Insassen des PKW kamen bei dem Unfall ums Leben. Auffällig war auch ein PKW mit Anhänger, der am 31.5. erst nach einer 40 Kilometer langen Geisterfahrt auf der A8 im Raum Ried und durch eine Autobahnsperre gestoppt werden konnte.

Tirol
Tirol nimmt in der Geisterfahrerstatistik 2006 eine Sonderstellung ein. Mit 44 Meldungen hat sich die Gesamtanzahl um 40% ganz klar reduziert (2005: 73). Besonders auffällig ist die Veränderung auf der A12 im Tiroler Unterland (zwischen Innsbruck-Ost und der Grenze bei Kiefersfelden): War dieser Abschnitt 2005 noch jener mit den meisten Meldungen in ganz Österreich, gab es 2006 mit 8 nur noch ein Viertel der Meldungen (2005: 33). Reduziert hat sich auch die Anzahl auf der A12 im Tiroler Oberland auf 7 Meldungen (2005: 10) und auf der A13 zwischen Innsbruck-Matrei, einem traditionell sehr gefährlichen Abschnitt (6; 2005: 11). Auf der A12 im Raum Innsbruck gab es hingegen ein Zuwachs auf 14 Meldungen (2005: 11). In Summe sind die Geisterfahrten auf der gesamten A12 von 54 auf 29 Meldungen zurückgegangen. Auf der S16 im Tiroler Abschnitt haben die Geisterfahrten hingegen zugenommen (5; 2005: 1).
Bei mindestens zwei Geisterfahrerunfällen wurden jeweils mehrere Personen verletzt, am 5.9. wurde auf der A13 ein Osttiroler von der Polizei gestoppt, der mit 1,9 Promille Alkohol im Blut als Geisterfahrer unterwegs gewesen war.

Salzburg
In Salzburg wurden 2006 "nur" 29 Geisterfahrer gezählt (2005: 38). Das ist die niedrigste Anzahl seit 1995. Salzburg liegt 2006 nur noch wenige Meldungen vor Vorarlberg auf Rang 6.
Das gefährlichste Teilstück war erneut die A10 im Abschnitt "Pongau" zwischen Flachau und Pass Lueg, wo mit 14 Geisterfahrern (2005: 15) die Anzahl in den letzten Jahren relativ konstant geblieben ist. Auch auf den übrigen Salzburger Abschnitten auf der Tauernautobahn hat sich die Situation gegenüber 2005 kaum verändert, hingegen gab es auf der A1 im Raum Salzburg einen deutlichen Rückgang auf 8 Meldungen (2005: 14).
Unfälle wurden keine registriert, auffällig war allerdings ein griechischer LKW, der am 13.5. im Bereich Tauerntunnel als Geisterfahrer unterwegs war und von der Polizei gestoppt werden konnte.

Vorarlberg
In Vorarlberg gab es 2006 die meisten Geisterfahrer seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1994. 25 Meldungen bedeuten gegenüber 2005 ein Plus von 6 Meldungen oder 32%.
Sowohl auf der A14 im Raum Bregenz (9; 2005: 4) als auch im Raum Bludenz (9; 2005: 5) haben die Geisterfahrten deutlich zugenommen, im Raum Feldkirch wiederum war ein Rückgang von 10 auf 5 Meldungen zu verzeichnen.
Auf der S16 im Vorarlberger Abschnitt gab es im Raum Langen 2 Geisterfahrer.
Auf der S16 im Raum Bludenz gab es keine einzige Meldung. Überhaupt gab es in diesem Bereich seit 2000 erst einen einzigen Geisterfahrer. Über Geisterfahrerunfälle in Vorarlberg im Jahr 2006 ist nichts bekannt.

Wien
In Wien gab es 2006 relativ gesehen unter allen Bundesländern den stärksten Rückgang auf 17 Meldungen (2005: 35; minus 51%). Auffällig dabei ist der Rückgang der Geisterfahrten auf der A4 im Stadtgebiet (1; 2005: 16) und auf den diversen Wiener Straßen abseits der Autobahnen von 7 auf 2 - die beiden Geisterfahrer waren auf der Nordbrücke unterwegs.
Auf der Südosttangente ist die Anzahl mit 7 Meldungen exakt gleich geblieben, auf der A22 gab es im Wiener Stadtgebiet einen Zuwachs von 2 auf 5 Meldungen. Über Geisterfahrerunfälle in Wien im Jahr 2006 ist nichts bekannt.

Burgenland
Das Burgenland teilt sich mit Wien Rang 8 in der Bundesländerwertung mit 17 Meldungen (2005: 15).
Auch wenn sich Gesamtzahl nur geringfügig erhöht hat, ist sie die größte seit 1995.
Die meisten Geisterfahrer im Burgenland waren auf der A4 unterwegs (12; 2005: 8), auf der A3 wurden im Burgenland zwei Geisterfahrer gesichtet, auf der S31 ebenso zwei im Raum Eisenstadt.
Ein Geisterfahrer war auf der S4 bzw. der S31 im Bereich Knoten Mattersburg unterwegs.
Über Geisterfahrerunfälle im Burgenland im Jahr 2006 ist nichts bekannt.

Wann sind Geisterfahrer unterwegs:
Sah es zur Jahreshälfte noch nach einem neuen Rekordjahr aus, so sind die Geisterfahrten vor allem im letzten Jahresquartal deutlich zurückgegangen. Absolut gesehen war wie in den letzten Jahren das dritte Quartal das stärkste des Jahres, einen Zuwachs gab es allerdings nur im zweiten Quartal gegenüber 2005. Ins zweite Quartal fällt auch der stärkste Geisterfahrer-Monat von 2006, nämlich der Juni mit 57 Meldungen, was ungewöhnlich ist, weil bisher immer der Juli oder der August die stärksten Monate waren.

Zu einer Verschiebung kam es auch in der Wochentagstatistik. Hier hat der Sonntag (96 Meldungen) den Samstag (89 Meldungen) "überholt". Zum Vergleich: An Montagen gab es in Summe "nur" 35 Geisterfahrer.
Das Wochenende bleibt jedenfalls die gefährlichste Zeit der Woche.

In der Tagesverteilung gab es die meisten Geisterfahrer am Abend (18-24 Uhr). Die wenigsten Geisterfahrer wurden in den Nachtstunden (0-6) registriert.

Als "Geisterfahrer-Rekordtag" ist der 25. Juni 2006 in die Ö3-Geschichte eingegangen. An diesem Tag musste die Verkehrsredaktion 10 Mal vor Geisterfahrern warnen, so oft wie noch nie an einem einzigen Tag.

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