"KURIER"-Kommentar von Karin Leitner

Alfred Gusenbauer steht einem SP-Vorgänger im Kanzleramt um nichts nach.

Wien (OTS) - Für viele Sozialdemokraten war der 29.April 2000 ein guter Tag: Mit fast 97 Prozent wurde Alfred Gusenbauer zum Parteivorsitzenden gewählt.

Der intellektuelle, ideologisch gefestigte Niederösterreicher werde der SPÖ nach seinem Worthülsen-Vorgänger Viktor Klima, der nur Spuren gelber Gummistiefel hinterlassen hat, gut tun. Meinten die Genossen. Sie sind zu Recht enttäuscht.

Dass Gusenbauer populistischen Aktionen nicht abgeneigt ist, hat er wiederholt bewiesen. Seit der Übernahme der Kanzlerschaft ist ihm das Gespür fürs Erträgliche vollends abhanden gekommen.

Zuerst inszenierte er sich als Nachhilfe-Lehrer. Dann gab er im Radio seine Privatnummer preis und verriet die "Gusi-Diät" ("Mit Krautsuppe habe ich acht Kilo in einer Woche geschafft"), die Hochglanz-Postillen zum Nachfasten reichen. Nun hat er einem Fernseh-Reporter per Handschlag versprochen, mit einem Austropopper gemeinsam zu singen. Was und in welcher Stil-Richtung (vielleicht ein "Gusi-Rap"?), ist noch nicht geklärt.

Man muss ja nicht so unnahbar sein, wie es Wolfgang Schüssel als Regierungschef war. Es sollte aber nicht gleich ein Klima-Wandel sein. Dieser kann auch ein lang anhaltendes Tief bringen.

karin.leitner@kurier.at

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