"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "FPÖ lässt grüssen" (Von MICHAEL SPRENGER)

Ausgabe vom 29. Jänner 2007

Innsbruck (OTS) - Die Aufregung über die kompromittierenden Fotos mit Heinz Christian Strache ist groß. Zu Recht. Doch ist deren Inhalt wirklich so überraschend? Strache wurde im Umfeld eines Norbert Burger sozialisiert. Er zählte Neonazis wie Küssel und Radl zu seinen Freunden oder war zumindest mit ihnen bekannt. Als seine spätere politische Heimat wählt er sich - wenig überraschend - die FPÖ aus. Jörg Haider, der vor SS-Veteranen in Krumpendorf eine Rede hielt und Österreich als ideologische Missgeburt bezeichnete und vieles mehr, wurde auf Jahre sein politischer Ziehvater. Bei den schlagenden Burschenschaften, einer Schnittstelle für Nationale und Rechtsextreme, fühlte er sich wohl. Jetzt will Strache offenbar von alledem nichts mehr wissen.

Es ist an sich schon bezeichnend, dass ein Obmann einer Parlamentspartei in einer Pressekonferenz eine Erklärung ob seiner demokratischen Gesinnung abgeben muss. Das zuletzt für medialen Wirbel sorgende Gruß-Foto ist zumindest harmloser, als es im Vorhinein angekündigt worden ist. Anderseits weiß man nicht, was noch kommen kann. Bezeichnend im Zusammenhang mit dieser Affäre ist jedenfalls jetzt schon das Verhalten der Spitzen von ÖVP und SPÖ. Kanzler Gusenbauer, der sich, vielleicht aus Angst vor einer rechten Mehrheit im Parlament, der väterlichen Milde ergibt, agiert ebenso heuchlerisch wie sein Gegenüber Vizekanzler Molterer, der plötzlich klare Worte verlangt. So als ob er sich nicht mehr an den Sündenfall des Jahres 2000 erinnern will - und an das jahrelange Schweigen oder an das Verteidigen der FPÖ-Eskapaden. Von den BZÖ-Aussagen hierzu ganz zu schweigen.

Natürlich - die Foto-Affäre würde einmal mehr eine grundlegende Chance im Umgang der Parteien mit der Vergangenheit bieten. Für SPÖ, ÖVP und vor allem für das vormals dritte Lager. Derzeit schaut vieles nach einer vertanen Chance aus. Einmal mehr.

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