"Kleine Zeitung" Kommentar: "Microsoft hat Windows Vista - und die Lizenz zum Kassieren" (Von Georg Holzer)

Ausgabe vom 29.01.2007

Graz (OTS) - Ist ein Computerprogramm einmal entwickelt, fallen
die weiteren Kosten kaum ins Gewicht: Die Preise für das Bedrucken der dünnen Begleithefte und das Pressen der CDs tendieren gegen Null. Noch billiger wird es nur, wenn man dem Nutzer etwas verkauft, das er ohnehin schon hat.

Das neue Windows Vista erscheint morgen und kommt in vier Geschmacksrichtungen: Von "Home Basic", das nur wenig kann, bis "Ultimate", das alle Stücke spielt. Der Nutzer kann durch einfaches Zücken der Kreditkarte den Funktionsumfang erweitern. Alle Programme der 520 Euro teuren Ultimate-Version befinden sich ohnehin schon auf dem PC und werden von Microsoft gegen Bezahlung nur noch "befreit".

Dieses Konzept ist ebenso genial wie perfid, denn die einzelnen Pakete wurden sehr geschickt in ihrer Funktionalität kastriert. Der ambitionierte Nutzer wird somit immer das Beste und Teuerste wollen.

Der "Home Basic"-Version fehlt fast alles, das Vista von seinem Vorgänger XP abhebt: Es gibt keine transparenten Fenster und wenige Multimedia-Funktionen. Home Premium bietet mehr, ihm fehlen aber auch wichtige Merkmale der Ultimate-Edition: Das Fax- und Scan-Modul wurde ebenso gekappt wie Funktionen zur Teamarbeit. Am schwersten wiegt, dass die Business-Version das Verschlüsseln von Festplatten und eine zweite virtuelle Installation nicht erlaubt.

Das Fehlen von Kernfunktionen an einem neuen, vorinstallierten Vista-Computer wird wohl viele Kunden zum Zücken der Kreditkarte bewegen.

Keine Frage: Vista ist ein sehr gutes Betriebssystem, das tolle Funktionen bietet und einen großen Produktivitätsschub mitbringt. Zudem ist es nach heutigen Maßstäben auch sicher. Erlauben kann sich Microsoft eine solche Strategie allerdings nur ob seiner enormen Marktmacht.

Dass man in Redmond nicht gerade zimperlich damit umgeht, zeigten vergangene Monopolprozesse in den USA. Und auch jetzt klagen Mitbewerber, Microsoft nutze seine monopolartige Stellung mit Windows Vista weiter aus.

Microsoft kann so noch ein wenig abkassieren, weil man derzeit kaum daran vorbeikommt, Windows und das Büropaket Office zu nutzen. Allzu lange wird man mit dieser Strategie aber nicht durchkommen, denn es kommt endlich Konkurrenz auf. Das freie Betriebssystem Linux hat sich in den letzten Jahren mächtig gemausert und ist für viele Privatnutzer schon heute mit Windows vergleichbar. Und dann wäre da noch Apple, das seine Marktanteile stark verbessern konnte. ****

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