WirtschaftBlatt Kommentar vom 29.01.2007: DDSG Cargo: Serben schlagen zu - na und? (von Peter Muzik)

Es gibt seriöse und unseriöse, potente und impotente Investoren

Wien (OTS) - Es war zweifellos das wichtigste Wirtschaftsereignis vom Wochenende: Die deutschen Eigentümer der Wiener Donau-Fracht-Gesell-schaft DDSG Cargo haben an ein serbisch-zypriotisches Konsortium verkauft (siehe Seite 3). Eine österreichische Gruppe indes, die sich auch um das Unternehmen bemüht hatte, zog den Kürzeren. Man sollte dennoch nicht in Panik verfallen:
That's life, die Wirtschaft wird eben immer internationaler.

Garantiert wird auch diesmal ein Sturm der Entrüstung losbrechen, warum bei der DDSG Cargo erneut Ausländer zum Zug gekommen sind und warum die Österreicher wieder einmal das Nachsehen hatten. Die Skepsis dürfte umso grösser sein, als die siegreiche East Point Holdings Limited dem als reichsten Serben geltenden Zoran Drakulic gehört. Und obendrein mit Schifffahrt gar nix am Hut hat, sondern auf die Verarbeitung und den Handel von Kupferprodukten sowie den Handel mit Agrarprodukten in Zentral- und Osteuropa spezialisiert ist. Die DDSG Cargo, die sich mit ihren 160 Schiffen als führendes Unternehmen der Binnenschifffahrt in West- und Mitteleuropa sieht, scheint jedenfalls Gefahr zu laufen, in ausländischer Hand einer unberechenbaren Willkür ausgesetzt zu sein.

Man sollte dabei allerdings nicht übersehen, dass die serbische Investorengruppe, die in Zypern beheimatet ist, immerhin als Bestbieter aus dem Transaktionsprozess hervorgegangen ist. Dass sie also für das bereits seit 1829 bestehende Staatsunternehmen, das 1991 privatisiert wurde, am meisten hinzublättern bereit war, nämlich rund 100 Millionen Euro. Und dass sie damit auch die 80 Millionen Euro Schulden übernahm, die sich bei den Banken angesammelt haben. Schliesslich ist auch beruhigend, dass Wien als Unternehmensstandort erhalten bleiben soll.

Allzuviel Patriotismus bei der Beurteilung solcher Deals ist heutzutage jedenfalls fehl am Platz: Man unterscheidet nämlich längst nicht mehr in österreichische, deutsche, serbische oder was Gott noch für Investoren sondern in seriöse und unseriöse, finanzstarke und finanzschwache, anständige und unanständige bzw. zukunftsorientierte und nicht zukunftsorientierte Bieter.

Wir können nur hoffen, dass es sich bei den neuen DDSG Cargo-Inhabern um jene Sorte handelt, die dem Unternehmen Zukunft geben und nicht um dubiose Geschäftemacher, die es gnadenlos ausbeuten.

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