"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Rausgequetscht" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 25.01.2007

Wien (OTS) - Das endlose Spiel rund um Österreichs größte Bank geht nach der letzten nun offenbar in die allerletzte Runde: Die Aktien der BankAustria-Creditanstalt (BA-CA) verschwinden in Kürze vom Kurszette der Wiener Börse. Die italienische UniCredit als Konzernmutter besitzt 95 Prozent der Aktien und will die Kleinaktionäre loswerden. Squeeze out nennt man das im Fachjargon, also rausquetschen.
Die Entscheidung ist logisch und sinnvoll. Im Gegensatz zur früheren Eigentümerin, der bayrischen HVB, hat die UniCredit die BA-CA von vornherein an die ultrakurze Leine genommen. Der Konzern wurde neu geordnet und wird zentralistisch geführt. Die Wien-Tochter ist dabei für die lukrativen zentral- und osteuropäischen Märkte verantwortlich.
Im Osten dürfen Generaldirektor Erich Hampel und seine Kollegen deshalb in Eigenregie wirtschaften, solange die Erträge stimmen. Die Gesamtstrategie wird aber in Mailand beschlossen, und da hat Wien wenig mitzureden. Wie wenig, zeigen kleine, aber symptomatische Details.
Am 14. November des Vorjahres hatte Hampel beispielsweise noch treuherzig versichert, dass die BA-CA weiterhin an der Wiener Börse notiert bleiben würde. "Es sind keine Änderungen geplant", sagte er wörtlich. Wahrscheinlich hat er es damals tatsächlich nicht besser gewusst, weil sich die Mailänder Konzernbosse gar nicht die Mühe machten, ihn in ihre Pläne einzuweihen.
Aufmüpfige Kleinaktionäre, die auf Hauptversammlungen lästige Fragen stellen, kämen der UniCredit aber ungelegen. Sie werden deshalb zwangsweise hinauskomplimentiert. Die Konzernmutter kann dadurch außerdem den gesamten Gewinn der BA-CA selber lukrieren und braucht ihn nicht mit anderen Aktionären zu teilen.
Der sozialdemokratische Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina hat einmal in einem "Standard"-Interview gesagt, dass es für den Wirtschaftsstandort Österreich nicht entscheidend ist, wo die Aktien eines Unternehmen oder einer Bank liegen. Viel wichtiger sei, ob es gelingt, wesentliche Kompetenzen und Leute hier zu halten.
Mit der Ostverantwortung scheint das vorerst gelungen, und für die BA-CA sind die jetzigen klaren Strukturen jedenfalls von Vorteil: Sie wird auf dem internationalen Parkett schlagkräftiger sein als in jener Zeit, in der sie mehrheitlich der maroden HVB gehörte.
Mit dem Rausquetschen der privaten Kleinaktionäre ist allerdings auch klar, dass die BankAustria nicht einmal mehr zu fünf Prozent eine österreichische Bank ist. Vor dem Hauptsitz in der Wiener Schottengasse weht unsichtbar, aber überdeutlich merkbar die italienische Tricolore.

Rückfragen & Kontakt:

Vorarlberger Nachrichten
Chefredaktion
Tel.: 0664/80588382

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PVN0001