"KURIER" Kommentar - "Umverteilung" (von Christoph Kotanko)

Nach dem Demokratie-Schock: Schwacher ÖGB, starke Gewerkschaften.

Wien (OTS) - Demokratie bedeutet Diskussion. Insofern haben der Beamtengewerkschafter Neugebauer und die Frauenvertreterin Csörgits beim ÖGB-Kongress völlig versagt. Neugebauer wollte gewählt werden, blieb aber der Veranstaltung fern; die Dreistigkeit
wurde bestraft. Csörgits wollte ihre Gage nicht verraten.Schon früher hatte sie sich um 1200 Euro "verschätzt". So viel Unverschämtheit konnten die Gewerkschafter nicht ertragen.

Das Fernbleiben des Beamtenvertreters könnte eine gezielte Provokation gewesen sein. Die schwarze Gewerkschaft Öffentlicher Dienst suchte eine Bruchstelle zum roten ÖGB. Seit Langem sind die Gemeinsamkeiten gering. So demonstrierte Neugebauer 2003 mit den Genossen gegen die schwarz-blaue Pensionsreform, stimmte dann aber dafür. Seine Gewerkschaft wolle eigene Wege gehen, sagte der Multifunktionär immer öfter.

Jetzt soll die GÖD ein Zweigverein des ÖGB werden. Auch andere Gewerkschaften pochen auf Eigenständigkeit. Der Dachverband wird geschwächt, die Macht zu den Einzelgewerkschaften umverteilt. Die Sozialpartnerschaft mit ihren zwei starken Repräsentanten, dem ÖGB-Präsidenten und dem Wirtschaftskammerboss, verblasst. Neues entsteht - mit ungewissen Erfolgsaussichten.

Christoph Kotanko

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