Neue "Kärntner Tageszeitung" - KOMMENTAR von M. Geistle-Quendler: Zugeschlagene Lebens-Türen

Klagenfurt (OTS) - Das Bild verstört: Ein am Boden kniender
Mensch, der die Hand ausstreckt - jenen entgegen, die mit mehr oder weniger vollen Taschen vom Einkauf oder frisch gedruckten Geldnoten aus der Bank kommen. Die Geste fordert ihre Adressaten, sie verlangt eine Entscheidung. Und auch wenn diese Wegschauen heißt, kann sie den ersten Blick nicht mehr ungeschehen machen. Armut wird einen Herzschlag lang sichtbar.

Diese offenbar gewordene soziale Kluft versuchen BZÖ und ÖVP mit einem Bettelverbot aus den Köpfen zu löschen - beschlossen im Verfassungsausschuss des Landtages. Sie rechtfertigen diesen Akt mit dem Kampf gegen organisiertes Betteln und kriminalisieren so generell das Bitten um Hilfe. Wer von jenen, die hinabschauen, würde sich denn selbst am Straßenrand zusammengekauert wiederfinden wollen - ob organisiert oder nicht organisiert?

Ein System, das so rigide vorgeht, zu leugnen, was nicht sein darf, lässt keine Lebensräume offen. Einer von ihnen ist der öffentliche Raum, der allen gehört. Dieser letzte Ausweg muss bleiben. Diese Tür darf nicht zugeschlagen werden. Das kann die Irritation erwachsener Menschen, denen man nicht zumuten will, frei in ihrer Entscheidung auf eine Lebensrealität zu reagieren, niemals wert sein.

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