WirtschaftsBlatt Kommentar vom 24.01.2007: Keine Schrebergärten an der Börse - von Angelika Kramer

Die Wiener sollten ihre Emittenten in den Vordergrund stellen

Wien (OTS) - Grundsätzlich ist ja jeder Versuch zu begrüssen, den Handel an der Wiener Börse, der sich in den vergangenen Jahren erfreulicher Weise intensiviert hat, weiter zu beleben. Morgen will die Börse einen erneuten Anlauf starten, Nachwuchs zu akquirieren. Im Blickpunkt sollen dabei die in Österreich zweifellos stark vertretenen Klein- und Mittelbetriebe stehen.

Nun, diese Idee ist ja nicht mehr ganz neu. So hat man in Wien bereits 1997 versucht, ein eigenes Segment für KMU auf die Beine zu stellen. Mit dem eher mässigen Erfolg, dass dort gezählte zwei Unternehmen gelistet waren und infolge des regen Zuspruchs das Segment einige Jahre später wieder zugedreht wurde. Erst im Jahr 2005 wurde dann unter dem umtriebigen Ex-Börsechef Stefan Zapotocky eine börsenotierte Bündelanleihe für Mittelstandsunternehmen aus der Taufe gehoben, die auch nur mässig Anklang fand.

Warum sich die Wiener Börse heuer erneut den KMU widmen will, hat im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen hat die neue, von der SPÖ geführte Regierung ziemlich deutlich gemacht, dass sich die Börse aus Privatisierungen in nächster Zeit nicht allzu viel Nachschub erwarten darf. Und gerade das war ja in den vergangenen Jahren die Haupteinnahmequelle für den Kapitalmarkt siehe Post, Telekom, Voest oder VA Tech. Der zweite Grund liegt wohl darin, dass die Deutsche Börse mit der gleichen Idee, dem "Entry Standard", recht erfolgreich unterwegs ist und ihr Mailänder Pendant das nun nachmachen will. Wien möchte also seinen Nachbar-Börsen nicht kampflos das Mittelstandsfeld überlassen.

Dazu muss man aber sagen: KMU ist nicht KMU. Was in Frankfurt bestens in den Entry Standard" passen würde, könnte in Wien problemlos den Sprung in den Prime Market schaffen. Auch wenn sich die Wiener Börse verglichen mit früheren Jahren wieder über ausreichende Liquidität freuen darf, so ist sie doch nicht so gross, dass die Emittenten auf mehrere Kleinsegmente aufgesplittet werden sollten. Einige Unternehmen würden dadurch bloss marginalisiert. Tatsache ist aber, dass Wien all seine gelisteten Unternehmen in den Mittelpunkt stellen muss, um im Übernahmespiel der grossen Börsen die kritische Masse beizubehalten. Ausserdem haben KMU in den vergangenen Jahren den Gang an die Börse wohl nicht deshalb gescheut, weil ihnen kein eigenes Segment gewidmet wurde, sondern weil sie bewusst die Öffentlichkeit scheuten. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

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