WirtschaftsBlatt Kommentar vom 23. 01. 2006: ÖGB: Es wird renoviert, aber kaum reformiert - von Peter Muzik

Ein grosser Wurf ist dem neuen Präsidenten nicht gelungen

Wien (OTS) - Tatsächlich übernimmt Rudolf Hundstorfer ein Himmelfahrtskommando. Er ist mit dem Anspruch angetreten, dem Gewerkschaftsbund eine längst fällige, gründliche Reform zu verpassen. Doch das alles, was heute zu Stichworten wie neue Glaubwürdigkeit, bessere Organisation, Mitsprache & Mitbestimmung oder Kommunikation zu hören sein wird, dürfte alles andere als sensationell sein, geschweige denn neu. Ein grosser Wurf ist dem Reformer Hundstorfer wahrlich nicht gelungen.

Der durchaus machtbewusste, aber hoffnungslos verstaubte Koloss ÖGB wird daher auch unter neuer Führung an den alten Leiden laborieren:
zum einen als zu sehr rot-dominierter Verein, der sich eher einer Partei als allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verpflichtet fühlt. Zum andern als kaum kreativer und schon gar nicht innovativer Sozialpartner, der die Zeichen der Zeit noch immer nicht erkannt hat und folglich bei vielen Sachthemen notgedrungen als ewiger Bremser agiert. Schliesslich als eine extrem komplizierte Organisation voller Doppelgleisigkeiten, in der gleich mehrere Bonzen sorgfältig ihr Ego pflegen und ihre sinnlosen Machtspielchen zelebrieren. Und über all dem schwebt die generelle Crux, dass die Kassen des Gewerkschaftsbundes heillos überfordert, also leer sind und ein gnadenloser Sparkurs angesagt ist.

Was da als Gewerkschaft-neu an den Start geht, ist ein zwar personell renovierter, aber strukturell und programmatisch kaum reformierter Machtapparat. Wenn Hundstorfer nicht rasch eine strategische Rundumerneuerung des ökonomisch ausgehungerten Vereins schafft, wird er den Mitgliederschwund der vergangenen Jahre nicht stoppen können -womit der ÖGB sukzessive an Bedeutung verlieren muss.

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