"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Hillary im Rennen" (Von MONIKA DAJC)

Ausgabe vom 22. Jänner 2007

Innsbruck (OTS) - Ihre Fans fühlen sich erlöst: Hillary tritt an. Auf mögliche Konkurrenten bei den eigenen Demokraten ging die Senatorin in der knappen Web-Mitteilung gar nicht ein. Sie wandte sich ausschließlich an den derzeitigen Herrn im Weißen Haus. Mit vernichtender Kritik an seiner Irak-Politik und mit dem Anspruch, Bush mit der Wahl 2008 zu beerben.

Für die Demokraten gibt es bei den wichtigsten bisher bekannten Bewerbern die Qual der Wahl. Nimmt man Clinton und Barack Obama, so geht es um Gegensätze in brisanten Facetten. Um den 45-Jährigen herrscht Obama-Manie. Charismatisch und ein farbiger Kennedy, lobpreisen ihn die Anhänger. Der schillernde Außenseiter auf der einen Seite und die geballte Erfahrung mit einem gewaltigen Wahlkampfbudget auf der anderen. Der erste Farbige oder die erste Frau im Weißen Haus? Und dann zeigt noch der jugendlich wirkende Südstaatendemokrat John Edwards wieder Flagge.

Clinton hat sich von pointierten Positionen in gesellschaftspolitischen Fragen weg in Richtung Mitte bewegt, wo bekanntlich Wahlen gewonnen werden. Beim zentralen Angriffspunkt gegen Bush, dem Irak-Krieg, aber hat sie ein Glaubwürdigkeitsproblem. Zu lange verharrte die Senatorin auf Regierungslinie. Die historische Chance für eine Frau möchten viele nützen. Aber es geht indirekt dabei auch um die Frage, ob man zurück will zu den Clinton-Jahren. Bill nur Hausmann und lächelnder First Husband?

Amerika hat den seit langem spannendsten Wahlmarathon vor sich. Stolperer und Blackouts werden als zusätzliche Würze wirken. Es geht gewiss um Personen, aber noch viel mehr um Ideen. Wohin geht das Land? Der konservativen Wende folgte nicht einmal ein Jahrzehnt. Mühsam schleppen sich Bushs Vordenker und die Republikaner insgesamt über die politischen Runden in Washington.

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