"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Zielen, abdrücken!" (Von Mario Zenhäusern)

Ausgabe vom 20. Jänner 2007

Innsbruck (OTS) - Jugendkriminalität hängt unmittelbar mit Gewalt zusammen. Gewalt in der Schule, Gewalt in der Familie, Gewalt im Freundeskreis - diese Spirale dreht sich immer weiter, und das muss sich zwangsweise auf die Heranwachsenden auswirken.

Die Polizei reagiert auf diese zunehmende Gewaltbereitschaft auch unter den Tiroler Jugendlichen mit verstärkten Präventionsbemühungen. Die Politik hat die Zeichen der Zeit ebenfalls erkannt. Erst am Donnerstag beschloss die Tiroler ÖVP eine Jugendoffensive, bei der auch diese Problematik angegangen werden soll.

Seit dem Amoklauf von Emsdetten und einem geplanten, aber nicht vollendeten Massaker in Offenbach wird in Europa ernsthaft über ein Verbot von Gewalt verherrlichenden Video-Games diskutiert. Denn diese Killerspiele, da sind sich alle Experten einig, animieren zur Nachahmung im richtigen Leben.

An Heinz Christian Strache scheint diese Diskussion vollkommen spurlos vorübergegangen zu sein. Ganz im Gegenteil: Für den FPÖ-Obmann, der sich wegen zweifelhafter Fotos aus seiner Jugendzeit gegen parteiinterne Angriffe zur Wehr setzen muss, ist Gotcha ein "harmloses Jugendspiel". Zur Klarstellung: Bei Gotcha oder Paintball schießen meist als Krieger verkleidete Menschen mit Waffen aufeinander. Die Geschoße sind zwar nur Farbbeutel, die im Normalfall niemanden verletzen, die Regeln aber sind dieselben wie im "richtigen" Krieg: Gegner aufspüren, zielen, abdrücken - gewonnen! Anders gesagt: Es schießt ein Mensch auf den anderen mit dem Ziel, sein Gegenüber außer Gefecht zu setzen.

Das ist kein Sport und noch weniger ein Spiel. Gotcha ist pure Verherrlichung der Gewalt. Wer wie Strache diese militante Form der Freizeitbetätigung verharmlost, nimmt bewusst in Kauf, dass sich die Spirale der Gewalt immer weiterdreht.

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