Wiener Zeitung: Andreas Unterbergers Kommentar

Wien (OTS) - Die wahren Sorgen der Unis

Die Studenten-Demonstrationen waren wohl nur ein Vorspiel: für den ÖH-Wahlkampf zwischen Rot und Grün; aber auch für die eigentliche Diskussion über die Qualität unserer Unis. Der öde Gebührenstreit selbst erregt hingegen niemanden mehr, wie auch die flaue Protest-Teilnahme zeigt.

Die explosivste Frage der Hochschulen ist vielmehr jene des freien Zugangs. Dieser ist ja eine sympathische Idee: Jeder Maturant, jung wie alt, kann sich die modernsten Erkenntnisse durch qualifizierte Wissenschaftler vermitteln lassen.

Dem stehen aber immer mehr Probleme entgegen: Das Gravierendste ist die Entwicklung der höheren Schulen. Auf AHS- und BHS-Lehrer wird durch Vorgesetzte und das jüngste Regierungsprogramm immer mehr populistischer Druck ausgeübt, doch jedem zur Matura zu verhelfen und nur ja niemanden durchfallen zu lassen. Damit erhöht sich nicht nur die Zahl angeblich universitätsreifer Menschen (was durch Überfüllung von Labors und Hörsälen alleine schon die Studienqualität reduziert). Es reduziert sich zugleich automatisch das Niveau der Uni-Anfänger und -Absolventen selbst.

Österreich ist ob seiner niedrigen Gebühren und des Fehlens von Zugangshürden überdies schon lange sehr attraktiv für ausländische Studenten.

Dazu kommt nun der neue Versuch der EU, die Zugangshürden zum Medizinstudium auszuhebeln, durch die eine Quote von 75 Prozent für Österreicher reserviert ist. Dieser Versuch wird zwar die EU-Stimmung im Lande noch tiefer abstürzen lassen, könnte aber dennoch Realität werden (und hierzulande eine Ärzteknappheit auslösen).
Viele Studienrichtungen haben begonnen, sich mit Knock-out-Prüfungen (meist am Ende des zweiten Semesters) gegen den nicht bewältigbaren Andrang junger Menschen zu schützen. Was aber tausenden Studenten ein ganzes Lebensjahr raubt. Wogegen jedoch kaum demonstriert wird.

Wäre es nicht ehrlicher und humaner - auch wenn die Hochschülerschaft schon aus Gewohnheit dagegen protestieren
würde -, solche Beschränkungen schon vor den Studienbeginn zu setzen? Etwa durch Aufnahmetests und eine Berücksichtigung bisheriger Leistungen? Die prophezeiten Ungerechtigkeiten in Einzelfällen wird es leider so und so geben.

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