"KURIER"-Kommentar: Von Christoph Kotanko über Bildungsministerin Claudia Schmied

Interessen bestimmen die Schulpolitik wesentlich stärker als Ideologien.

Wien (OTS) - Sie war die große Überraschung bei Gusenbauers Regierungsbildung: Claudia Schmied wechselte aus dem Geldgeschäft ins Ministerium für Schulen und Kultur. In ihren ersten Stellungnahmen beschränkte sie sich auf den schmalen Bereich der Kulturpolitik - aus ihrer Sicht verständlich, dort kennt sie sich aus.

Als Bildungsbürgerin und typische Vertreterin der Wiener "Salonkultur" wurde die Sozialdemokratin von der FAZ vorgestellt. Auch die Kulturschaffenden empfingen die Neue freundlich. Dass sie als Managerin Erfahrungen mit Wirtschaft und Kultur hat, ist sicher ein Vorteil. Leicht wird sie es nicht haben. Die hiesige staatsfinanzierte Kultur ist von der hemmungslosen Eigensucht vieler Selbstdarsteller geprägt, vom Kampf um Subventionen und Posten. Da ist im Ministerium Führung gefragt und die Bereitschaft zum produktiven Widerspruch.

Von wesentlich größerem öffentlichen Interesse ist Schmieds bisheriges Nebenthema, die Schule - nach der Langzeit-Ministerin Gehrer "eine der größten Baustellen der Republik" (FAZ). Was dort geschieht oder nicht geschieht, betrifft alle Eltern, Kinder, LehrerInnen.

Traditionell wird die Schulpolitik von Interessen und nicht von Ideologien geleitet - auch wenn unentwegt das Gegenteil behauptet wird. Bund, Länder, Gemeinden streiten bei jeder Neuerung ums Geld. Die hoch organisierte Lehrergewerkschaft hütet, allzeit streitbereit, die Interessen ihrer Klientel. In einer strategischen Partnerschaft mit Personalvertretern versucht eine teure Schulbürokratie, ihr Überleben zu sichern.

In einer ihrer ersten Stellungnahmen meinte Schmied, sie wolle den "den Einstieg für den Umstieg zur Gesamtschule" vorbereiten. Das war frisch von der Leber weg, doch damit schafft sie nicht einmal die politische Vorschule. Alles, was entfernt nach Gesamtschule aussieht, wird von der ÖVP blockiert; sie besteht auf dem "differenzierten Schulsystem".

Schmied wäre gut beraten, wenn sie sich mit dem Näherliegenden beschäftigt. Ihre Liste von Hausaufgaben ist lang (Interview auf Seite 5). So ist die Senkung der Klassenschüler-Höchstzahl auf 25 beschlossen, aber die Kosten sind nicht abgedeckt. Im Regierungsprogramm ist von 200 Millionen Euro Mehrausgaben bis 2010 die Rede - zu wenig, um das Ziel zu schaffen. Mit Einschnitten in der Schulverwaltung ist schnell nichts zu holen. Solche Veränderungen wirken sich (falls sie je kommen) erst nach vielen Jahren aus.

In wenigen Monaten muss sich Schmied mit den Resultaten der neuen PISA-Studie beschäftigen. Das könnte als ihr erstes Zeugnis gesehen werden, obwohl die Schüler lange vor ihrem Amtsantritt getestet wurden. Aber PISA wurde in den vergangenen Jahren zu einem nationalen Interesse hochgespielt.

Kurzfristig ist die von Gusenbauer aufgeworfenen Frage der Nachhilfestunden zu beantworten. Was er als Gag gemeint hat, ist für sie eine schwere Prüfung. Viele klagen über die teure private Nachhilfe. Wenn die Schulen besser werden, ist hier viel zu gewinnen:
Eltern sind auch Wähler.

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