Ein Schweizer als Retter in der Not in Simbabwe

Zürich / Stuttgart (OTS) - Professor Ruedi Lüthy ist "Europäer des Jahres 2007" - Reader’s Digest zeichnet Arzt für Einsatz gegen Aids aus - Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey bezeichnet Lüthy als Vorbild

Der Schweizer Arzt Professor Ruedi Lüthy ist am Donnerstag Abend im Rahmen einer Feier an der Universität Zürich von Reader’s Digest als Europäer des Jahres 2007 geehrt worden. Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hielt vor zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und dem Gesundheitswesen die Laudatio und wies auf die Bedeutung des Kampfes gegen Aids hin. "Es sind immer einzelne Personen, die Veränderungen herbeiführen und das Schicksal ihrer Mitmenschen entscheidend prägen", sagte Werner Neunzig, Präsident des Verwaltungsrates und Geschäftsführer von Reader’s Digest Deutschland, Schweiz, Österreich. Conrad Kiechel, Redaktionsdirektor der internationalen Ausgaben von Reader’s Digest, würdigte den unermüdlichen Einsatz des 65-jährigen Professors der Infektiologie für Aids-Kranke. Moderiert wurde die Feier von der bekannten Schweizer Fernsehmoderatorin Sandra Studer.

Professor Ruedi Lüthy ist der erste Schweizer, der die Auszeichnung Europäer des Jahres von Reader’s Digest erhält. Seit 1996 wählen die Chefredakteure der 21 europäischen Ausgaben von Reader’s Digest Persönlichkeiten, die am besten die Traditionen und Werte Europas verkörpern, zum Europäer des Jahres. Der Schweizer Professor ist der zwölfte Träger dieser Auszeichnung.

Die Schweizer Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey hielt vor zahlreichen Gästen aus Politik, Wirtschaft und dem Gesundheitswesen in der Aula der Universität Zürich die Laudatio zu Ehren Professor Lüthys. Sie verwies darauf, dass "wer A wie Aids sagt, auch A wie Armut sagen muss". Viele Menschen steckten in der doppelten Falle von Armut und HIV/Aids, erklärte die Bundespräsidentin. Alle Länder -auch die Schweiz - seien gefordert, ihre Anstrengungen zu verstärken, um den Menschen den Weg aus dieser Falle zu ermöglichen. Zudem forderte sie mehr Gerechtigkeit und mehr Rechte für die Frauen: «Sie tragen die Hauptlast der Auswirkungen von Aids. Es braucht Maßnahmen, um Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu beenden, die Rechte von Frauen und Mädchen zu respektieren, ihre Rolle zu verändern und ihre Möglichkeiten zur Einflussnahme zu erweitern." Calmy-Rey deutete auch Fortschritte an. "Wir sind der Epidemie nicht hilflos ausgeliefert, wir können etwas tun", sagte sie. Aber mit der Feststellung "wir können etwas tun" sei es noch nicht getan. Calmy-Rey bezeichnete in diesem Zusammenhang Professor Ruedi Lüthy als Vorbild. "Sie zeigen unermüdlich, was in größter Not machbar ist, und wie das Überlebensnotwendige getan werden kann", so Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey.

Werner Neunzig, Präsident des Verwaltungsrates und Geschäftsführer von Reader’s Digest Deutschland, Schweiz, Österreich erinnerte daran, welch grossartige Leistungen ein einzelner Mensch erbringen könne zum Wohle von allen: "Professor Ruedi Lüthy stellt sich in den Dienst seiner Mitmenschen, häufig sogar auf eigene Kosten und Gefahr und mit einem Engagement weit ausserhalb des Masses, das im Alltag üblich ist." Conrad Kiechel, Redaktionsdirektor der internationalen Ausgaben von Reader’s Digest aus New York, erklärte, mit dieser Auszeichnung würdige Reader’s Digest Lüthys unermüdlichen Einsatz für Aids-Kranke. "Mit seiner Arbeit hat Professor Lüthy in Simbabwe innerhalb von drei Jahren große Erfolge erzielt und viel bewegt", so Kiechel.

Er habe nie im Leben damit gerechnet, jemals eine solche Auszeichnung zu erhalten, sagte Professor Ruedi Lüthy. "Diese Auszeichnung widme ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Harare. Ohne mein Team könnte ich den Betrieb unserer Klinik nicht aufrecht erhalten", erklärte der Europäer des Jahres 2007. Wie er die 10.000 Franken (6.200 Euro) einsetzen wird, die mit der Auszeichnung verbunden sind, weiß Lüthy bereits: "Jeder Franken wird vor Ort in Simbabwe für den Betrieb der Klinik, für den Medikamenteneinkauf und für die Therapien der Aids-Patienten verwendet."

Für viele kranke Menschen in Simbabwe ist Professor Lüthy in den vergangenen Jahren zum Retter in der Not geworden. Auslöser für seinen Einsatz war die Aidskonferenz im Jahr 2000 im südafrikanischen Durban, als Experten darüber diskutierten, dass 25 Millionen Afrikaner mit dem HIV-Virus infiziert sind. Lüthy entschied sich zu helfen, fasste Pläne für den Bau einer Klinik in Harare und gründete die Stiftung Swiss Aids Care International (SACI). Inzwischen ist der Schweizer, der mit 62 Jahren seine Position als Professor für Innere Medizin und Infektionskrankheiten an der Universität Zürich aufgab, in Simbabwe fast heimisch geworden. Seit der Eröffnung der Klinik im Jahr 2004 hat er dort mehr als 1300 Aidskranke behandelt und sie mit lebensrettenden Medikamenten versorgt.

Sein Antrieb für den täglichen Einsatz, so Lüthy, seien "ein starkes Pflichtgefühl und die Hingabe an eine Aufgabe". Er finanziert den Betrieb nur aus Spenden und arbeitet selbst ehrenamtlich. Der frühere Präsident der Eidgenössischen Kommission für Aidsfragen erklärt: "Ich freue mich, wenn schwache, gebrechliche Menschen nach zwei oder drei Monaten Behandlung ganz anders aussehen, wenn sie in die Klinik kommen. Das entschädigt für vieles."

Obwohl die Arbeit von Lüthy in Simbabwe in den vergangenen Jahren wegen politischer Spannungen immer wieder erschwert wurde, entschied sich der Mediziner zum Weitermachen. An Arbeit fehlt es ihm dabei nicht, denn die Zahl der Patienten nimmt weiter zu. Allein im Mai 2006 betreute das Team von Lüthy fast 300 Kinder im Alter zwischen zehn Monaten und 17 Jahren. Die meisten waren von der Mutter im Mutterleib infiziert worden.

Trotz seiner 65 Jahre mag Professor Ruedi Lüthy nichts von einem Ruhestand hören. Mit großem Einsatz sammelt er Spenden von europäischen Regierungen und internationalen Organisationen. In den nächsten Jahren will Professor Lüthy rund um Harare weitere Kliniken einrichten, schon 2007 möchte er die Zahl seiner Patienten auf 2000 erhöhen. Die Überlebensquote macht ihm dabei stets neuen Mut, denn 19 von 20 Patienten können dank seiner Therapie weiterleben. Vor allem die Frauen hat der Schweizer dabei im Visier. "Wenn wir eine Mutter behandeln, kann sie ihre Kinder großziehen», sagt er mit Blick darauf, dass der Kampf gegen Aids eine Generationenaufgabe ist.

Professor Ruedi Lüthy wurde am 17. Februar 1941 geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern. Anfang der 80er-Jahre gehörte Professor Ruedi Lüthy zu den ersten Aids-Spezialisten in der Schweiz. 1992 gründete er das Zürcher Lighthouse, ein Sterbehospiz mit 21 Betten. Dort ist es unheilbar kranken Patienten möglich, in Würde sterben zu können.

Die Preisträger früherer Jahre

Die folgenden Persönlichkeiten waren die Vorgänger von Professor Ruedi Lüthy als Europäer des Jahres.

2006: Die Niederländerin Ayaan Hirsi Ali setzt sich seit Jahren gegen religiöse Fanatiker und für die Rechte muslimischer Frauen ein.

2005: Der russische Arzt Leonid Roshal, der bei über zwei Dutzend Katastrophen auf vier Kontinenten schwer verletzten Kindern geholfen hat. Beim Geiseldrama von Beslan wurde er als Mittelsmann eingeschaltet.

2004: Peter Eigen aus Deutschland, Gründer und Vorsitzender der weltweit tätigen Organisation Transparency International mit Sitz in Berlin, die sich dem Kampf gegen Korruption widmet.

2003: Simon Pánek, Gründer der tschechischen Hilfsorganisation People in Need.

2002: Eva Joly, ehemals Untersuchungsrichterin in Frankreich (u. a. Fall Tapie, Korruptionsskandal um Elf-Aquitaine).

2001: Der gebürtige Finne Linus Benedict Torvalds, Erfinder des Linux-Betriebssystems.

2000: Der Niederländer Paul van Buitenen, der schwerwiegendes Missmanagement innerhalb der Europäischen Kommission aufdeckte.

1999: Die Dänin Dr. Inge Genefke, Vorkämpferin auf dem Gebiet der Behandlung und Rehabilitation von Folteropfern.

1998: Der britische Solo-Skipper Pete Goss, der während eines Wettkampfs seinen französischen Freund Raphael Dinelli aus Seenot rettete.

1997: Frederic Hauge, norwegischer Begründer der Umweltschutz-Gruppe Bellona.

1996: Pater Imre Kozma, Vorsitzender des ungarischen Malteser Caritas-Dienstes.

Pressemitteilung mit Fotos von der Übergabe der Auszeichnung Europäer des Jahres an Professor Ruedi Lüthy zum Download:
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