Eurofighter: Die ministeriellen Phantomschmerzen und Chancen

Wenn politisches Kleingeld gemünzt und die Forschung vergessen wird.

Wien (OTS) - Norbert Darabos will seine Leiden beenden: Der Eurofighter muss abbestellt werden. Aber es sind Phantomschmerzen, die den Verteidigungsminister plagen: der kurzfristig, kurzsichtige, politisch rasch verwertbare Erfolg. Dumme Versprechen müssen eben ohne Rücksicht auf militärische, wirtschaftliche und auch wissenschaftliche Aspekte eingehalten werden. Das sind viele Politiker ihrer Selbstsicht schuldig. Der Österreichische Gewerbeverein (ÖGV) fordert, auch in dieser Causa Vernunft einkehren zu lassen, eine ganzheitliche Sicht zu riskieren und nicht um einer politischen Reinwaschung willen, Unverantwortliches durchzuziehen.

Die Typenentscheidung für einen Kampfjet fällt immer abseits der öffentlichen Bühne. So ein Projekt will militärisch-strategisch und auch wirtschaftlich gut überlegt sein. Es werden Preis, Leistung, Einsatzdauer, Gegengeschäfte, etc. erörtert und das geeignetste Produkt wird erworben. Das gilt für das Flugzeug selbst. Ob dies nun jedem recht ist, und unterlegene Bieter enttäuscht sind, ist irrelevant.

Aber auch der jeweilige Lieferant selbst ist ein Kriterium, das es zu berücksichtigen gilt. Mit EADS wurde ein europäischer Konzern ausgewählt. So bleibt zunächst einmal die Wertschöpfung in der EU, was im allgemeinen Wahn vor Globalisierungsverlusten ein Top-Argument für die Fighter sein müsste. Das Unternehmen ist europäisch aufgestellt: mit Deutschland, Frankreich, Grossbritannien und Spanien ist es in den wichtigsten Staaten des Kontinents vertreten und diese daran beteiligt. Die Verbindungen und Einflüsse, die so ein Konzern mit der EU hat, darf man nicht übersehen. Es ist im europäischen Kontext eben nicht irrelevant, welcher Briefkopf auf dem Vertrag steht. Mit EADS verbindet man Assets, die über die geschäftliche Kooperation hinaus wichtig sind.

Aus Sicht der Forschung ist EADS eines der größten in Europa forschenden Unternehmen. Nach eigenen Angaben werden 2.1 Mrd. EUR, das sind über 6% des Ertrags in die Wissenschaft investiert. Der Konzern ist ein berühmt-berüchtigter Partner in PPP-Projekten, und ist in zahllosen europäischen Forschungsprojekten auch als Geldgeber zu finden. Umsätze, die EADS als Hochtechnologiekonzern erwirtschaftet, kommen der europäischen Forschung direkt zugute. Vor dem Hintergrund der Europäischen und vor allem der österreichischen Forschungssituation ist der Eurofighterkauf ein wesentlicher Faktor.

Aus militärischer Sicht gibt es einige gute Argumente für den Eurofighter, insbesondere mit Blick auf die gemeinsame Verteidigungspolitik führen harmonisierte Geräte - Welche Flugzeuge werden wohl die Eigentümer kaufen? - im Ernstfall zu besseren Ergebnissen. Der Entwicklungsstand und die Lebensdauer des Flugzeuges sind ebenso wesentlich. Die vereinbarten Gegengeschäfte lassen die tatsächlichen Kosten in einem ganz anderen Licht erscheinen. In Kombination mit den Forschungsagenden ist das EADS-Paket konkurrenzlos.

Der Verteidigungsminister könnte sich zum echten Forschungsminister profilieren: Vielleicht stellt er nach reiflicher Evaluierung der Fakten noch fest, dass Österreich besser 24 Jets kaufen sollte: aus militärischen, wirtschaftlichen und eben auch wissenschaftlichen Gründen.

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