Der symbolische Kanzler

(Peter Danich)

Wien (OTS) - Sowohl für Karikaturisten wie auch für kritische Medien- und Politik-Analysten ist SPÖ-Kanzler Alfred Gusenbauer ein gefundenes Fressen. So hat es Gusenbauer bereits mit seiner Regierungserklärung geschafft, den Comedy-Hirten, deren Ideen üblicherweise die Informationsanteile des Ö3 - Weckers mit Unterhaltungselementen ergänzen, zur Konkurrenz zu erwachsen. Und zwar mit der Idee, Schüler/innen persönlich einmal pro Woche Nachhilfe zu geben. Die Publikumsbeteiligung an der Sendung übrigens war eine große - groß war leider (für Gusenbauer) auch die überwiegende Ablehnung der sich beteiligenden Anrufer/innen.

Natürlich ist es in der Mediendemokratie legitim und notwendig, politische Inhalte zu inszenieren, um ihnen Aufmerksamkeit zu verschaffen. Problematisch wird es dann, wenn Inhalte Gefahr laufen, zur Farce zu werden, weil ihre mediale Inszenierung ausschließlich den Anspruch der persönlichen Inszenierung bedient. Die ersten Tage von Alfred Gusenbauer im neuen Amt legen die Prognose nahe, dass mit seiner Kanzlerschaft wieder ins politische Tagesgeschäft einzieht, was mit dem Abgang von Viktor Klima ausgezogen ist: die symbolische Inszenierung, die "So-tun-als-ob"-Politik. Dass Klima-Inszenierer Josef Kalina die Bundesgeschäftsführung der SPÖ übernommen hat, ist jedenfalls ein klares Signal für eine SPÖ-Politik, die wieder stark auf symbolische Inszenierungen setzt.

Fakt dürfte daher sein, dass wir Alfred Gusenbauer auch in seiner weiteren Karriere in den unterschiedlichsten Symbol-Arrangements "bewundern" dürfen. Vielleicht setzt er sich wirklich in eine Schulklasse und gibt den Kindern Nachhilfe. Oder er besucht Studenten bei der freiwilligen Sozialarbeit. Oder er macht heuer Urlaub in der Steiermark. Es wird sich zeigen, wie die Medien, allen voran der ORF unter Führung von SPÖ-Mann Alexander Wrabetz, in Zukunft bei der Renaissance der roten Symbol-Politik mitspielen.

Vielleicht wird es uns in naher Zukunft immer schwerer fallen zu unterscheiden, was an Gusenbauer "echt" ist und was "inszeniert". Vielleicht sollten wir dafür aber auch mehr Verständnis aufbringen, auch wenn Gusenbauer auf den ersten Blick nicht über jenes Talent eines Politikertypus verfügen dürfte, der sich - wie etwa ein Gerhard Schröder - für nahezu jede Inszenierung eignet. Als warnendes Beispiel mag vielen noch der unsägliche Auftritt Viktor Klimas als lächelnder Hochwasserhelfer in Gummistiefeln erinnerlich sein.

Der Zwang zur Inszenierung ist für die Sozialdemokraten vor allem deshalb groß, weil überzeugende Konzepte für die Zukunft fehlen, man aber trotzdem Wahlen gewinnen möchte. Dies erhöht die Notwenigkeit von Wahlkämpfen ohne Scheu vor Populismen und der Gefahr unerfüllbarer Wahlversprechen. Denken wir an alte Slogans, einst "heilige Kühe" roter Spin - Doktoren, wie "neue Mitte" oder "dritter Weg". Von viel luftiger Reformrhetorik und wenig Substanz ist fast nichts geblieben - außer Enttäuschung.

Gefragt ist somit in jeder Hinsicht mehr Bodenhaftung. Politik muss dort sein, wo Herausforderungen zu lösen sind. Am Boden der Realität, mitten im Leben.

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