"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Der Uni-Skandal" (Von Kurt Horwitz)

Ausgabe vom 19.01.2007

Wien (OTS) - Die Studenten haben völlig Recht: Die Studiengebühren in Österreich sind tatsächlich ein Skandal. Das liegt allerdings nicht an den 363 Euro pro Semester, sondern an der fehlenden Gegenleistung.
Überfüllte Universitäten, an denen es für die Professoren keine Anwesenheits- und damit indirekt auch keine Lehrpflicht gibt; monatelanges Warten auf Prüfungstermine; teilweise skandalöse Ausstattung mit überholten Lehrmitteln.
Sonderbarerweise haben die Damen und Herren Studentenvertreter diese Zustände bisher nicht kritisiert. Dabei müssten sie längst hellhörig geworden sein. Fachhochschulen laufen manchen Universitäten bereits den Rang ab.
Dort gibt es seit jeher Zugangsbeschränkungen und Aufnahmsprüfungen. In manchen Studiengängen wird nur ein Zehntel der Bewerber tatsächlich aufgenommen. Dafür dürfen die Studenten dann mit Studienbedingungen rechnen, die im Vergleich zu den Universitäten geradezu perfekt anmuten.
Nicht selten hören die Studiengangsleiter von den durchgefallenen Bewerbern dann Eigenartiges: "Schade, dass es nicht geklappt hat. Jetzt werde ich eben erst einmal an einer Universität inskribieren und es dann noch einmal an der Fachhochschule versuchen."
Das ist ein Armutszeugnis für die Universitäten und ein Hohn für die Wissenschaftspolitik. Das Gegenteil wäre ökonomisch und wissenschaftlich sinnvoll: Wer sich für ein Universitätsstudium berufen fühlt, aber an der Zugangsprüfung scheitert, der besucht eine Fachhochschule.
Absolut nicht einzusehen ist, warum die Steuerzahler allein für die Studienkosten aufkommen sollen. Manche Studenten tun so, als würden sie der Gesellschaft einen Gefallen tun, wenn sie sich bilden. Diese Präpotenz ist schwer erträglich. In Wirklichkeit tun sie es vor allem deshalb, um später einen interessanten und lukrativen Beruf ergreifen zu können.
Studiengebühren sind durchaus gerechtfertigt, wenn sie mit zinsenlosen oder zumindest günstigen Krediten und Stipendien gekoppelt sind. Zusammen mit vernünftig gehandhabten Zugangsbeschränkungen sind sie der richtige Weg, um das Studium an österreichischen Universitäten attraktiv zu machen.
Gleichzeitig gehören die Studienbedingungen radikal verbessert. Professoren, die den Mindestanforderungen an eine wissenschaftliche Lehre nicht genügen, Studenten monatelang auf Prüfungstermine und Ergebnisse warten lassen oder kaum jemals anwesend sind, haben an Universitäten nichts verloren.
Im Ausland ist all das längst alltägliche Praxis. Wissenschaftsminister Hahn und vor allem Bundeskanzler Gusenbauer wären gut beraten, dort geistige Anleihen zu nehmen statt sich mit der Möglichkeit von "Sozialarbeit" zum Abarbeiten von Studiengebühren und dem Angebot wöchentlicher Nachhilfestunden lächerlich zu machen.

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