Neil Shicoff über seine mögliche Zukunft als Staatsoperndirektor

Wien (OTS) - Seit Gusenbauers Wahlsieg gilt der amerikanische
Tenor Neil Shicoff, 57, als aussichtsreichste Option für das Amt des Wiener Staatsoperndirektors, wenn Ioan Holender 2010 oder, nach möglicher Verlängerung, 2011 das Amt verlässt. Shicoff hat sich zur Causa bisher nicht geäußert. In der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe aber äußert er sich im Detail über entsprechende Pläne.

Offiziell, so Shicoff, der soeben einen privaten Deutschkurs begonnen hat, sei er noch nicht angefragt worden. "Und Privatgespräche sollen privat bleiben (...) Aber wenn jemand so viele Wochen für eine solche Position genannt wird, muss er sich überlegen, ob er dazu bereit ist und ob er es kann. Ich müsste also lügen, wenn ich sage, ich hätte mich damit nicht sehr ernsthaft beschäftigt. Ich habe mich schon mit Premieren, Besetzungen, Regisseuren und Dirigenten beschäftigt. (...) Ich habe eine erfüllende und lukrative Gesangskarriere. Die Entscheidung für die Staatsoper wäre für mich eine Möglichkeit, keine Existenznotwendigkeit. Einer Ihrer Kollegen attackiert mich ständig hart und unfair, als brauchte ich den Job, um meine Einkünfte zu sichern. Das ist Unsinn. Es geht um etwas ganz anderes: Mein Leben ist darauf angelegt, kreativ zu sein, etwas zu bewegen (...) Und die Staatsoper ist ein anderes, neues Medium, um kreativ zu sein."

Als Modell stellt sich Shicoff die einstige Konstellation zwischen Eberhard Waechter und Ioan Holender vor: "Ich halte es für ideal: ein künstlerischer Direktor, der alleinige künstlerische Kontrolle und Verantwortung hat, und ein Generalsekretär für das Management aller anderen Belange." Und auf die Frage nach dem als Partner genannten Bundestheater-Holdingchef Georg Springer: "Er ist ein hervorragender Kandidat, ein guter Freund, enorm erfahren und der Richtige, um mit ihm auch künstlerische Fragen zu diskutieren. Ich habe größtes Vertrauen in ihn."

Shicoff in NEWS zu Holenders Verlängerung wegen drohenden Zeitdrucks: "Nicholas Joel wurde erst im Dezember als Intendant der Pariser Oper für 2009 designiert. So sehr drängt die Zeit also offenbar doch nicht. Aber Holender ist mein Freund und ein großartiger Intendant, der die Welt gelehrt hat, wie man solch ein Haus auf hohem Level führt. Wenn sich also die Regierung entscheidet, ihn für ein Übergangsjahr zu berufen, würde ich das unterstützen. Aber dann muss der Nachfolger schon feststehen, und deshalb sollte das Amt in den nächsten Wochen ausgeschrieben werden. Schließlich signalisiert ein neuer Kanzler üblicherweise Aufbruch und Veränderung. Der Nachfolger sollte bis zum Sommer feststehen."

Shicoff äußert sich auch zu Medienberichten, er sei ein unberechenbarer Exzentriker: "Diese Einschätzung datiert aus einer Zeit vor vielen Jahren. Wer immer 30 Jahre einer stabilen, herausragenden Karriere hinter sich hat - und zwar gleich, in welchem Bereich -, dem kann nicht unterstellt werden, er wäre nicht diszipliniert und hätte nicht genug Kreativität und Leidenschaft für solch ein Amt. Denn er hat gelernt, mit Erfolg und Enttäuschung umzugehen. Jemanden an seinen Taten vor 30 Jahren zu messen, ist unfair. Auch Holender war ein anderer, als er das Amt übernommen hat. Im übrigen bin ich 30 Jahre Kritik gewöhnt und schlafe ausgezeichnet."

Zur Kritik an häufigen Gastspielen der Wiener Philharmoniker: "Ich glaube, dass die Philharmoniker innerhalb des Hauses ebenso wichtig sind wie außerhalb. Sie sind das bedeutendste Orchester der Welt, sie auf ein Opernorchester zu reduzieren, ist sinnlos. Das Ganze ist eine Frage der Organisation und eines ständigen Diskussionsprozesses."

Mehr Budget benötige das Haus nicht, fügt Shicoff hinzu, doch müsse die Inflation abgegolten werden. Szenisch schwebt ihm der Mittelweg zwischen progressivem und traditionellem Musiktheater vor.

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