Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Butter aufs Brot (von Claudia Grabner)

Ausgabe 17. Jänner 2007

Klagenfurt (OTS) - Sieben Jahre populistisches Showgeplärre haben Spuren hinterlassen. Dort, wo einst die alleine der Sache verpflichtete Politik verbale Bierzeltrhetorik als eben solche entzaubert hatte, probte man nun selbst den medienwirksamen Publikumsgag. Denn es war wohl als Gag gedacht, als sich Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hinreißen ließ, seine künftige Nachhilfelehrer-Karriere zu verkünden.
Dass er mit diesem publikumsträchtigen Offensiv-Trick den Studentenprotesten in Sachen Sozialarbeit versus Studiengebühren den Wind aus den Segeln nehmen wollte, ist die eine Sache. Dass er damit der ersten Regierungserklärung eines SPÖ-Kanzlers nach fast genau zehn Jahren (Viktor Klima, 29. Jänner 1997) die Krone aufsetzte, die andere. Schade drum. Schade, weil im Gedächtnis der Bevölkerung just dieser durchaus ernst gemeinte Gag haften bleibt.
Es ist schon klar: Regierungserklärungen haben noch nie das Zeug zur großen politischen Vision gehabt. Nüchtern wird - in lachhafte 60 Minuten gequetscht - Punkt für Punkt das bevorstehende Arbeitsprogramm abgeklopft. Da ist kein Raum für die Vision. Kein Platz für den rhetorischen Höhenflug. Schon möglich, dass der Kanzler mit seinem Nachhilfe-Sager cremige Butter aufs trockene Brot schmieren wollte. Doch manchmal schmeckt bloßes Brot besser ...

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