"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Stoiber in der Krise" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 15. Jänner 2007

Innsbruck (OTS) - So schnell geht es in der Politik. 2003 fuhr Edmund Stoiber in Bayern mit 60,4 Prozent einen Kantersieg ein. Mit diesem Ergebnis setzte er auch seine beiden Amtskollegen in Tirol und Südtirol unter Druck. Denn dort wurde nur wenig später gewählt. Heute wäre eine absolute Mehrheit schon ein Erfolg.

Nach Angela Merkels Wahlsieg gegen Gerhard Schröder 2005 standen Stoiber alle Türen offen. Er entschied sich zunächst Superminister zu werden. In München begann die Nachfolgediskussion. Als sich das Match auf ein Duell zwischen Günther Beckstein und Erwin Huber zuspitzte, folgte der Paukenschlag.

Der bayerische Macher entpuppte sich als Zauderer und entschied sich für das "sichere" Amt des Ministerpräsidenten und gegen den Platz an Merkels Seite. Wahrscheinlich hatte er seine knappe Niederlage gegen Schröder 2002 um das Bundeskanzleramt noch immer nicht verwunden. Der Job als Merkels rechte Hand war ihm dann doch zu wenig.

Von diesem Imageschaden hat sich Stoiber nie mehr erholt. Seither kommt er aus dem Umfragetief nicht mehr heraus. Auch sein Einfluss in Berlin ist bei weitem nicht mehr so groß. Für den Fall, dass Stoiber die CSU-Krise in den nächsten Tagen überleben sollte, bleibt er ein Wackelkandidat.

Herwig van Staa und Luis Durnwalder beobachten die Vorgänge in Bayern mit Argusaugen. Auch sie wissen, dass es in der Tiroler ÖVP und der SVP Kräfte gibt, die lieber heute als morgen einen Generationswechsel vollziehen würden. Wie Stoiber haben auch die Tiroler Landeshauptleute keinen potenziellen Nachfolger aufgebaut. Das macht eine geordnete Übergabe schwierig.

Klar ist, dass alle drei ihren politischen Zenit überschritten haben. Aber solange kein strahlender Nachfolgekandidat in Sicht ist, bleibt den politischen Gegnern nur ein Putsch. Freiwillig werden sie alle drei nicht den Hut nehmen.

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