• 14.01.2007, 21:43:59
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Stoiber in der Krise" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 15. Jänner 2007

Innsbruck (OTS) - So schnell geht es in der Politik. 2003 fuhr
Edmund Stoiber in Bayern mit 60,4 Prozent einen Kantersieg ein. Mit
diesem Ergebnis setzte er auch seine beiden Amtskollegen in Tirol und
Südtirol unter Druck. Denn dort wurde nur wenig später gewählt. Heute
wäre eine absolute Mehrheit schon ein Erfolg.

Nach Angela Merkels Wahlsieg gegen Gerhard Schröder 2005 standen
Stoiber alle Türen offen. Er entschied sich zunächst Superminister zu
werden. In München begann die Nachfolgediskussion. Als sich das Match
auf ein Duell zwischen Günther Beckstein und Erwin Huber zuspitzte,
folgte der Paukenschlag.

Der bayerische Macher entpuppte sich als Zauderer und entschied
sich für das "sichere" Amt des Ministerpräsidenten und gegen den
Platz an Merkels Seite. Wahrscheinlich hatte er seine knappe
Niederlage gegen Schröder 2002 um das Bundeskanzleramt noch immer
nicht verwunden. Der Job als Merkels rechte Hand war ihm dann doch zu
wenig.

Von diesem Imageschaden hat sich Stoiber nie mehr erholt. Seither
kommt er aus dem Umfragetief nicht mehr heraus. Auch sein Einfluss in
Berlin ist bei weitem nicht mehr so groß. Für den Fall, dass Stoiber
die CSU-Krise in den nächsten Tagen überleben sollte, bleibt er ein
Wackelkandidat.

Herwig van Staa und Luis Durnwalder beobachten die Vorgänge in
Bayern mit Argusaugen. Auch sie wissen, dass es in der Tiroler ÖVP
und der SVP Kräfte gibt, die lieber heute als morgen einen
Generationswechsel vollziehen würden. Wie Stoiber haben auch die
Tiroler Landeshauptleute keinen potenziellen Nachfolger aufgebaut.
Das macht eine geordnete Übergabe schwierig.

Klar ist, dass alle drei ihren politischen Zenit überschritten
haben. Aber solange kein strahlender Nachfolgekandidat in Sicht ist,
bleibt den politischen Gegnern nur ein Putsch. Freiwillig werden sie
alle drei nicht den Hut nehmen.

Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung,
Chefredaktion Tel.: 05 04 03 DW 610

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