WirtschaftsBaltt Kommentar vom 15. 01. 2007: Wirtschaft sollte auf jeden Stundenplan - von Wolfgang Unterhuber

Nur Allgemeinwissen zu lehren geht an der Realität vorbei

Wien (OTS) - Wo steht Österreich in fünf bis zehn Jahren? Dazu gibt es jede Menge Untersuchungen, die mehr oder minder zum selben Ergebnis kommen: Die Industrie wird weiter abwandern. Der Bereich Dienstleistung wird zunehmen. Mehr Jobs wird es dadurch aber trotzdem nicht geben. Und - vielleicht das wichtigste Ergebnis in den diversen Untersuchungen - Bildung und Wissen werden als Standortfaktoren immer wichtiger.

Es braucht keine Pisa-Studie; jeder Unternehmer und Manager, der heute junge Leute einstellt, macht immer wieder dieselbe erschreckende Erfahrung: Hauptschul- und AHS-Absolventen sind weit davon entfernt, die Bedeutung von Begriffen wie Überweisung, Scheck oder Zinsen richtig zu interpretieren.

Ganz zu schweigen davon, dass die grosse Mehrheit der AHS-Maturanten noch nie im Leben etwas von Aktiva und Passiva, Aktien oder ähnlichem gehört hat. Die Ursache dafür ist bekannt: Die Schüler werden in punkto Allgemeinwissen zweifelsohne sehr gut ausgebildet - allerdings an der Realität vorbei. Wirtschaftsthemen werden am Rande, etwa in Geografie, angerissen. Aber eben nur nebenbei. Hinzu kommt, dass die AHS-Lehrer gar nicht für einen Wirtschaftsunterricht ausgebildet sind.

Für die neue zuständige Ministerin Claudia Schmied eine grosse Herausforderung. Denn Wirtschaft muss in den Hauptschulen und AHS ein Pflichtfach werden. Mit allen Konsequenzen. In einem ersten Schritt müsste der Unterricht von den Lehrkräften der Handelsakademien und Handelsschulen durchgeführt werden, bevor an den Unis und Pädagogischen Akademien eine neue Generation von Wirtschafts-Professoren fertig ausgebildet wird.

Gefragt sind allerdings auch die Unternehmen. Das Thema Wirtschaft an Schulen ist zu wichtig, als dass es nur der Politik und den Lehrern überlassen werden kann. Um einen nachhaltigen Erfolg durchzusetzen, sind Angebote der Wirtschaft wie etwa Betriebsbesuche oder Praktika für Lehrer und Schüler eine notwendige Voraussetzung.

Das alles um- beziehungsweise durchzusetzen, wird dauern. Denn die Widerstände aller Betroffenen werden mit Sicherheit sehr gross sein. Doch am Ende geht es nicht nur um die Frage, ob die Maturanten später ihre Lohn- und Gehaltszettel verstehen, sondern darum, ob eine Basis geschaffen wird, die Österrreich weiterhin zu einem attraktiven Standort macht.

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