Neue KÄRNTNER TAGESZEITUNG - Kommentar: Experte und Fachtrottel (von Claudia Grabner)

Ausgabe 14. Jänner 2007

Klagenfurt (OTS) - Es bleibt nur die aristotelische Verwunderung über das, was sich da tut, zieht der Philosoph und Essayist Konrad Paul Liessmann Bilanz über die Sternstunden in den ersten Tagen der neuen Bundesregierung. Diese Sternstunden - in der Tat reißen sie den Beobachter hin und her zwischen Unglauben und Verstörung. Unglauben da, wo es die Umfaller-Kompromisse zu diskutieren gilt. Verstörung dort, wo man von mitternächtlichen Ministeranfragen und kabarettreifen Telefonplauscherln hört. Verstörend muss man allerdings auch jene Kommentatoren zur Kenntnis nehmen, die plötzlich Gefallen an den unorthodoxen Postenbesetzungen finden: Bravourös ist es etwa, dass der neue Verteidigungsminister den Dienst an der Waffe abgelehnt hat. Vielversprechend sei es, wenn die neue Bildungsministerin nichts von Pädagogik, nichts von Schule und Lehramt verstehe. Und kein Unglück sollte es sein, weil der Finanzminister keine Ahnung von Budgetwerken hat.

Der Appell, der daraus spricht, könnte sich als ein fataler herausstellen: Gesunder Menschenverstand und Charme stechen fundiertes Fachwissen aus. Der Nicht-Experte schießt den Profi ab. Know-how ist plötzlich pfui. Und der Experte ein Fachtrottel. Frage:
Wozu strampeln sich Menschen in ihren Fachgebieten ab - wenn die Spitze des Staates vorexerziert, dass das Andere, das Außen-stehende, viel charmanter ist?

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