Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Drinnen und draußen (von Eva Weissensteiner)

Ausgabe 12. Jänner 2007

Klagenfurt (OTS) - Drinnen in der Hofburg sah man nur fröhliche Gesichter. Der Präsident konnte seine Wunschregierung zum Wunschtermin angeloben, für den Bundeskanzler erfüllte sich ein Lebenswunsch, der Vizekanzler freute sich über das ausverhandelte Wunschergebnis und die Minister über ihre Wunschressorts. Drinnen in der Hofburg beglückwünschte man einander und gelobte, seine Pflichten nach bestem Wissen zu erfüllen.
Draußen, vor der Hofburg, war die Stimmung weniger feierlich, waren die Gesichter weniger fröhlich. Rund 2000 großteils junge Menschen demonstrierten gegen das, was da drinnen vorging. Gegen die Vorhaben, denen sich die dort drinnen verschrieben haben. In erster Linie ging es um die Studiengebühren, in zweiter Linie um den generellen Unmut mit einer Koalition der Kompromisse.
Schon vor sieben Jahren war eine Angelobung von lauten Protesten überschattet. Die damalige Regierung war schwarz-blau. Die Demonstranten waren rot bis tiefrot. Die aktuelle Regierung ist rot-schwarz. Die Demonstranten sind rot bis tiefrot. Das gestrigen Aufeinanderprallen von zufriedener Politik und unzufriedenen Aktivisten spiegelt einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel wider: Die Großparteien rücken immer mehr in die Mitte. Wer da nicht mitgehen will, muss draußen bleiben.

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