Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Sozialarbeit ist kein Tauschobjekt (von M. Geistler-Quendler)

Ausgabe 11. Jänner 2007

Klagenfurt (OTS) - Stimmen aus der SPÖ, die jetzt von Nachverhandlungen über die Studiengebühren sprechen, verhallen im Off. Niemand glaubt ernsthaft daran, dass dieses Paket noch einmal aufgeschnürt wird. Warum also die nachgereichten Beileidskundgebungen? Weil etwa ein Politprofi wie Josef Cap erkannt hat, dass der Rückzieher in dieser Frage tiefe Wunden geschlagen hat - nicht nur bei rot gesinnten Studenten.
Die angekündigte Abschaffung der Studiengebühren wurde zu einem Symbol für eine umfassende Bildungsreform, die unter anderem die längst überfällige Gesamt- und Ganztagsschule hätte beinhalten sollen. Sie gab das Sinnbild für einen freien Zugang aller zu Bildung und Wissenschaft ab, der den Lebensweg einstiger Studenten der Kreisky-Ära bis heute prägt. Ein Zugang, der den Erwerb von Wissen nicht gegen Arbeit ausspielte.
Die Arbeit an Menschen, im besten Fall von eigens dafür qualifizierten Kräften, ist ein Beruf, im besten Fall eine Berufung und kein Sozialdienst, zu dem man jemanden vergattern kann. Soziales Handeln als Preis für freien Bildungszugang zu sehen - als Tauschobjekt, widerstrebt manchem "roten" Denker im Innersten. Proteste und Kritiker ernst zu nehmen, statt sie als lästige Querulanten abzutun, stünde den SPÖ-Spitzen gut zu Gesicht. Viele von ihnen gingen schließlich aus einer Jugendbewegung hervor.

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