Künstlerprotest gegen Koalitionspakt

Jelinek, Menasse, Steinhauer

Wien (OTS) - Eine Umfrage unter namhaften österreichischen Künstlern über ihre Wünsche und Forderungen an die neue Regierung lukrierte in der morgen erscheinenden NEWS-Ausgabe auch erbittere Proteste gegen das Ergebnis der Koalitionsverhandlungen.

Elfriede Jelinek: " Ich bin nicht einmal mehr skeptisch. Das ist eine ÖVP-Regierung mit SPÖ-Bundeskanzler. Die SPÖ nimmt in dieser Regierung die Position ein, die früher das BZÖ eingenommen hat (das jetzt aber zum Glück wenigstens draußen ist). Ich fürchte allerdings, dass diese Regierung der äußersten Rechten, der FPÖ, unglaublich Auftrieb geben wird. Eine Katastrophe. Auch dass das Innenministerium bei der ÖVP geblieben ist. Wie überhaupt alle Schlüsselressorts. Ich fasse es nicht." Als einzigen Wunsch deponiert die Nobelpreisträgerin steuerliche Erleichterung: "Ich würde mir nur wünschen, dass SchriftstellerInnen ihre Gewinne auf fünf Jahre aufsplitten können (statt bisher drei), denn man arbeitet so lang an etwas
(allein der Ransmayr ja bis zu zehn Jahre!), da wäre das nur gerecht."

Robert Menasse beantwortet die Frage nach seinen Forderungen so:
"Nichts.Absolut nichts. Wer dieses Amt unter den von Gusenbauer ausgehandelten Bedingungen antritt, hat schon damit seine absolute Kulturlosigkeit bewiesen."

Am schärfsten äußert sich Erwin Steinhauer: "Ich fühle mich als Wähler missbraucht, verkauft und verraten. Das Land wird weiter schwarz regiert. Die SPÖ ist für mich in dieser Regierung der Juniorpartner. Es ist eine glatte Umkehr des Wahlergebnisses, es wird eine Hochzeit für Kabarettisten werden. Die Waffe kann nur Spott und Hohn sein. Ich bin zutiefst betroffen. Nur weil einer in der Sandkiste einen Traum gehabt hat, wird alles über Bord geworfen. Es ist eine Schande, dass der Bundesparteivorstand das zu 75
Prozent akzeptiert. Das ist ein Armutszeugnis sondergleichen, das die Partei sehr zu spüren bekommen wird. Die Künstler, die sich kurz zugewendet haben, werden in Scharen davonlaufen."

Unter den weiteren Befragten finden sich u. a. Staatsoperndirektor Holender, Neil Shicoff, Clemens Hellsberg, Gerhard Roth, Angelika Kirchschlager sowie die Museumsdirektoren Husslein, Seipel und Schröder.

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