Umweltdachverband zu 10 Jahre Nationalpark Kalkalpen: Durchstarten statt Jubeln!

Gebietserweiterung in den Haller Mauern, im Warscheneck und im Toten Gebirge gefordert

Wien (OTS) - "Jubelstimmung ist nicht angebracht, vielmehr ist
eine neue Kraftanstrengung zur Weiterentwicklung des Nationalparks OÖ Kalkalpen notwendig", sagt Mag. Franz Maier, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, aus Anlass der vor zehn Jahren erfolgten Nationalpark-Staatsvertragsunterzeichnung in Großraming.

Fest steht, dass die Zwischenbilanz im Jubiläumsjahr zwiespältig ausfällt: Der Nationalpark Kalkalpen ist flächenmäßig über den ersten Verordnungsabschnitt noch nicht hinausgekommen, die Akzeptanz des Nationalparks in der Bevölkerung hat abgenommen. "Viele Nationalpark-Vorkämpfer und -Befürworter der ersten Stunde haben sich aus Enttäuschung über die Nationalpark-Verwaltung abgewandt. Auch die Erwartungen der Naturschützer wurden bisher nicht erfüllt. Image und Glaubwürdigkeit des Nationalpark-Projekts sind heute schlechter als vor einem Jahrzehnt", sagt Maier. Der Umweltdachverband zeigt sich besorgt über die Nationalpark-Entwicklung seit der Gründung im Jahr 1997. Einigen durchaus positiven Entwicklungen stehen schwere Defizite im Nationalpark-Management gegenüber, wie folgende Zusammenschau zeigt.

Pluspunkte der Nationalpark-Entwicklung

  • Die Nationalpark-Erweiterung über die Start-Variante von 1997 hinaus auf derzeit knapp 21.000 Hektar.
  • Die regionalwirtschaftlichen Effekte durch die Nationalpark-Gründung (Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen).
  • Die internationale Anerkennung durch die Weltnaturschutzorganisation IUCN im Jahr 1998.
  • Die Errichtung und Inbetriebnahme des Nationalpark-Zentrums in Molln sowie weiterer Besuchereinrichtungen im Ennstal sowie in Windischgarsten.

Defizite in der Nationalpark-Umsetzung

  • Unausgewogene Schwerpunktsetzung: zuviel Infrastruktur- und Tourismus-, zuwenig Naturschutz- und Forschungs-Projekte!
  • Eklatante Fehler im Waldmanagement, wie der vom Umweltdachverband 2004 aufgedeckte Kahlschlag im Feichtauer Urwald aufzeigte.
  • Schlechte Akzeptanz bei den Naturschutzorganisationen und Alpinvereinen sowie in der ortsansässigen Bevölkerung und bei vielen regionalen Multiplikatoren.
  • Dem Nationalpark-Management ist es nicht gelungen, den Nationalpark Kalkalpen zu einem regionalen Identifikationsprojekt zu entwickeln.
  • Schwächen bei der Finanzabwicklung und Personalführung sowie in der Organisationsstruktur zeichnen das Bild einer ineffizienten Nationalpark-Verwaltung.

Vorrang für Naturschutz gefordert

Als unabdingbar für die Zukunft des Nationalparks Kalkalpen fordert Maier neue Ziele für das Nationalpark-Management. "Das heurige Jubiläumsjahr muss zum Durchstarten für besseren Naturschutz genutzt werden", so Maier. Der Umweltdachverband verlangt eine schrittweise Nationalpark-Erweiterung im Gebiet der Haller Mauern, des Warschenecks und im Toten Gebirge. Langfristiges Ziel ist ein bis zu 90.000 Hektar großer Nationalpark Österreichische Kalkalpen mit Gesäuse und Totem Gebirge. Weiters muss das Vertrauen der Alpinvereine und Naturschutzorganisationen in die Nationalparkführung zurück gewonnen werden, die derzeit nur probeweise im Nationalpark-Kuratorium mitarbeiten. "Ein Nationalpark braucht nicht nur eine internationale, sondern auch eine nationale, regionale und vor allem lokale Anerkennung", ist Maier überzeugt.

Vermittlung und Kommunikation verbessern

Darüber hinaus sind die Angebote des Nationalparks laufend weiterzuentwickeln. Von der inzwischen schon sechs Jahre alten Ausstellung im Nationalpark-Zentrum bis zu den Führungsangeboten und zum Marketing braucht es wechselnde Schwerpunkte, attraktive, innovative Angebote und Profis zur Vermittlung.
Besondere Bedeutung sollte außerdem der Erhaltung traditionell genutzter Wiesen und Weiden und damit dem Schutz der Kulturlandschaft im Vorfeld des Nationalparks zugemessen werden. "Dort existieren etwa ganz besondere Trockenwiesen, teilweise sogar Buckelwiesen, die ein Erbe der Vergletscherung sind und landesweite bis nationale Bedeutung haben", erklärt Maier. Hier sind neue Modelle und Ideen nötig, um die Landwirtschaft bei der Erhaltung solcher Flächen und Landschaftselemente zu unterstützen und zur Steigerung der Attraktivität für Einheimische und Touristen beizutragen. "Der Nationalpark Kalkalpen muss im Flächen-, Biotop-, Arten- wie im Kulturlandschaftsschutz durch beispielhafte Projekte, die auch in den Nationalpark-Gemeinden wirksam werden, verstärkt sichtbar werden", so Maier abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Umweltdachverband - Mag. Franz Maier,
Geschäftsführer, Tel. 0664/335 95 32.
Dr. Sylvia Steinbauer, Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 01/40 113-21
E-Mail: sylvia.steinbauer@umweltdachverband.at
http://www.umweltdachverband.at

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