"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "LH rettete Platter" Von FRANK STAUD

Ausgabe vom 10. Jänner 2007

Wien (OTS) - Zunächst rätselten am Dienstag alle, wie Wolfgang Schüssel die SPÖ bei den Verhandlungen derart auspokern konnte. Der ÖVP-Chef muss wohl ein schwarz-blau-oranges Ass als Joker im Ärmel gehabt haben. Ansonsten hätte Alfred Gusenbauer wohl nie diesen Preis bezahlt.

Dann wollte Schüssel die eigene Partei vor vollendete Tatsachen stellen. Karl-Heinz Grasser wollte er als Vizekanzler und Finanzminister zum großer Sieger küren, Günther Platter zum Verlierer stempeln.

Über Nacht hatte Schüssel seinen bisherigen Tiroler Verteidigungsminister fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. Vor allem mit Platters Figur in der Eurofighter-Frage sei der VP-Boss unzufrieden gewesen. In Wahrheit passte Schüssel Grasser einfach besser ins Bild als Platter. Eiskalte Politik.

Bis zum Morgengrauen folgte ein dramatischer Schlagabtausch. Herwig van Staa kämpfte mit Tirols einflussreichstem Politiker in Wien, Andreas Khol, vehement für den Verbleib des Oberländers. Und die Tiroler setzten sich mit AAB-Hilfe durch. Platter wird Innenminister, Grasser geht. Endlich ein starkes Signal van Staas gen Wien.

Dabei hatte Molterer Tirol mit einem unmoralischen Angebot gelockt. Anna Hosp sollte Wissenschaftsministerin, Platter Sportstaatssekretär werden. Doch van Staa wusste, dass ihn Hosps Weggang aus Tirol geschwächt hätte. Und für Khol war nicht nur die Art und Weise inakzeptabel, wie Platter abserviert werden sollte, sondern auch die Vorstellung von einem Vizekanzler Grasser. Nicht nur dessen Jet-Set-Leben ist mit Khols christlich-sozialen Wertevorstellungen unvereinbar.

Platter ist vor allem van Staa zu Dank verpflichtet. Denn es wäre für den Landeshauptmann leicht gewesen, seinen gefährlichsten Herausforderer um das höchste Amt in Tirol loszuwerden. Platter ist jetzt einer der mächtigsten Minister in Wien und wird mit Sicherheit van Staa vor der Landtagswahl 2008 nicht mehr angreifen.

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