WirtschaftBlatt Kommentar vom 10. 01. 2007: KHG: Time to say Goodbye - von Peter Muzik

Er war eine Art Kult-Politiker, der in einer eigenen Liga spielte

Wien (OTS) - Zumindest eines ist an Karl-Heinz Grasser relativ unumstritten: Er war mit Sicherheit nicht der beste Finanzminister, den Österreich jemals hatte. Aber er war wenigstens der jüngste (was Hannes Androsch stets geärgert hat). Und der schönste (was potenzielle Schwiegermütter jahrelang schwer beeindruckte). Und sicher auch der cleverste (was beispielsweise die Industriellenvereinigung bestätigen kann).

Die Trademark KHG, die erstaunlich professionell aufgebaut und vermarktet worden ist, steht für jenen modernen Politikertypus, der in unseren Breiten gerade in ist und sich unglaublicher Beliebtheit erfreut: jung, dynamisch, telegen, blitzgescheit und sicher nicht unsympathisch - aber auch eher unverbindlich, durchaus opportunistisch und karrierebewusst, widersprüchlich, kaltschnäuzig und ziemlich arrogant.

Karl-Heinz Grasser war 2530 Tage lang jedenfalls der beste Minister-Darsteller, der jemals in der Himmelpfortgasse amtiert hat, beinahe reif für das Burgtheater. Als eifrigster Befürworter des von ihm selbst glorifizierten Nulldefizits konnte er allerdings nicht etwa punkten, weil er fachlich so ein Wunderwuzzi gewesen ist. Sondern weil er sich sieben Jahre nonstop brillant als politisches Naturtalent zu verkaufen verstand.

Freilich: An seiner politischen Zielsetzung musste er letztlich ebenso scheitern wie an sich selbst respektive seinem überdimensionalem Ego - wirklich schlimm war für ihn aber beides nicht: Die mysteriöse Homepage-Affäre, die Lügen-Groteske auf den Malediven oder seine offiziös zelebrierten Liebschaften haben ihm genau so wenig anhaben können wie seine merkwürdige Rolle in der Eurofighter- oder der Bawag-Affäre. Auch die Knutschszenen von Paris hat man ihm so rasant nachgesehen wie den dubiosen Yachtausflug mit Wolfgang Flöttl.

Der 38-jährige Sunnyboy aus Kärnten, der im Jet Set nicht erst dank Fiona heimisch ist, hat stets mit Nehmer- und Steherqualitäten beeindruckt und war daher niemals groggy in den Seilen. Gewackelt hat er allerdings etliche Male, und wär's nicht Österreich, so hätte er trotz seiner mächtigen Mentoren wohl längst w. o. geben müssen. Stattdessen hat es Grasser zu einer Art rot-weiss-roter Kult-Politiker gebracht, der sozusagen in einer eigenen Liga spielte - und beinahe auch noch Vizekanzler geworden wäre. Fazit: Wir müssen uns um Karl-Heinz Grasser bestimmt keine Sorgen machen, er wird seinen Weg schon weitergehen. Bestimmt wird auch das Finanzministerium seinen Abgang verkraften.

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