Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" - Kommentar: Abgenutztes Bild des "Bösen" (von M. Geistler-Quendler)

Ausgabe 31. Dezember 2006

Klagenfurt (OTS) - Die Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein ist der Schlusspunkt einer Inszenierung, die US-amerikanischer Außenpolitik über Jahrzehnte als Feigenblatt diente. Insbesondere Präsident Bush gestaltete Saddam, den Mann, dessen sich die USA zuvor auch als Verbündeten bedient hatten, zum versinnbildlichten Bösen. Zum Symbol, mit dem man nicht nur den nicht zu rechtfertigenden Irak-Krieg rechtfertigte, sondern auch einen diffusen Anti-Terror-Kampf, in dessen Namen Massensterben gutgeheißen wurde.
Beziehungen zwischen Saddam und dem nie gefassten Osama bin Laden wurden konstruiert, um den Nahen Osten ideologisch mit einer "Achse des Bösen" zu überziehen. Das Feindbild hielt für eine fahrlässige, einseitige und kurzsichtige Nahostpolitik her, die tiefe Spuren der Zerstörung zog. Der Konflikt zwischen Israel und Palästinensern hat sich verschärft, Afghanistan ist von Stabilisierung weit entfernt, der Irak versank in Chaos und Bürgerkrieg.
Tagtäglich werden in dem Land Menschen Opfer der Gewalt, die versprochene Freiheit und Demokratie sind Lippenbekenntnisse geblieben. Am Ende dieser Tragödie steht der Tod Saddam Husseins, einer hochstilisierten Person; ein Schicksal, das nichts an den Schicksalen seiner Landsleute ändert. Ein Tod, der sich nicht einmal mehr als Trophäe für die Amerikaner eignet.

Rückfragen & Kontakt:

Kärntner Tageszeitung
Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
ktzredaktion@apanet.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI0001