WirtschaftsBlatt Kommentar vom 28. 12. 2006: Einspurige Autobahnen sind nicht neu - von Herbert Geyer

Die Kosten für solche Sparmassnahmen sind aber zu hoch

Wien (OTS) - Man könnte es natürlich auch als positives Zeichen sehen: Immerhin beginnt nun auch in den beiden grossen Infrastrukturgesellschaften, die bisher ihre Aufgabe nur darin gesehen haben, das nicht vorhandene Geld mit vollen Händen auszugeben, so etwas wie Problembewusstsein zu wachsen. ÖBB-Chef Martin Huber sieht sich ausserstande, den nicht nur aus seiner Sicht überflüssigen Koralmtunnel ohne zusätzliches Geld vom Staat zu bauen. Und Asfinag-Vorstand Mathias Reichhold überlegt, Schnellstrassen künftig nur noch zweispurig zu bauen, um damit Geld zu sparen.

Insbesondere letztere Idee ist ausbaufähig: Warum nicht gleich überhaupt auf den Bau neuer Strassen verzichten und stattdessen nur noch die dazugehörigen Mautbrücken aufstellen - das minimiert die Kosten, ohne die Einnahmen zu verringern. Und zumindest so viel scheint Reichhold, der sich für seinen Asfinag-Job qualifizierte, indem er als einer der zahllosen blauen Verkehrsminister die aktuelle Misere mitverursacht hat, bereits von Wirtschaft begriffen zu haben.

Aber Spass beiseite. Reichholds Idee ist nicht neu: Die hatte bereits in den späten 70ern der damalige Bautenminister Karl Sekanina. Der mächtige Gewerkschafter war unter Druck der Kronen Zeitung gestanden, die in einer Kampagne vehement die Fertigstellung der Südautobahn forderte, wofür aber - auch das ist nicht neu - das Geld fehlte. Sekaninas Königs-idee: die Sparautobahn, für die er damals zwei Typen entwarf.

Der eine Typus unterscheidet sich von einer richtigen Autobahn durch engere Kurven und stärkere Steigungen, wodurch teure Kunstbauten -Brücken und Tunnels - eingespart werden können. Der Nachteil: Der volkswirtschaftliche Schaden durch vermindertes Tempo, höheren Verschleiss an Strasse und Fahrzeugen und höhere Unfallgefahr ist irreparabel, wie an den beiden betroffenen Stellen - Wechsel und Pack-Abschnitt - jederzeit überprüfbar ist.

Der zweite Typus - Ausbau von zunächst nur einer Spur pro Fahrtrichtung - ist zwar reparabel, kostet aber letztlich auch zu viel: Der solcherart "sparsam" ausgebaute Abschnitt zwischen Hartberg und Gleisdorf musste nach einer Serie tödlicher Unfälle beschleunigt ausgebaut werden.

Reichholds Sparideen in Ehren, darauf können wir aber verzichten. Sparen beim Autobahn- (und Bahn-)bau kann man nur durch Verzicht auf überflüssige Strecken. Aber davon gibt es genug.

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