"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Junge zur Urne" (Von Anita HEUBACHER)

Ausgabe vom 22. Dezember 2006

Innsbruck (OTS) - Sollte sich die ÖVP tatsächlich durchringen und eine Senkung des Wahlalters von 18 auf 16 Jahre absegnen, wäre das fast ein Weihnachtswunder. Bisher scheute die Volkspartei die Wahlaltersenkung wie der Teufel das Weihwasser. Der Grund dafür liegt auf der Hand. Bei den Jungen schneiden die Konservativen schlecht ab. Genau aus dem gegenteiligen Grund waren SPÖ und Grüne stets Fans von Wählen mit 16.

In drei Bundesländern, in denen die Roten regieren, ist Wählen mit 16 bereits Praxis. In Wien, dem Burgenland und Salzburg sind 16-Jährige bei den Landtagswahlen wahlberechtigt. Die Senkung des Wahlalters brachte allein in Wien 40.000 Wahlberechtigte mehr, im Burgenland waren es 6000. In Kärnten und in der Steiermark sind 16-Jährige bei den Kommunalwahlen wahlberechtigt. In Tirol, hier hält bekanntlich die ÖVP die absolute Mehrheit, schmetterte die Volkspartei die Wahlaltersenkung ab, der Koalitionspartner SPÖ fügte sich.

In keinem einzigen Bundesland wurde die Grenze für das passive Wahlrecht auf 16 gesetzt. Um bei der Wahl - auf kommunaler als auch auf Landesebene - kandidieren zu können, muss man mindestens 18, in manchen Bundesländern sogar 19 sein. Das ist auch gut so.

Allerdings sollte die Politik zumindest auf kommunaler Ebene die Jugendlichen wählen lassen. Es wäre einen Versuch wert und ein erster Schritt. Jugendliche sollen mitbestimmen können, was in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld passiert. Vor dem Gesetz sind Jugendliche mit 16 voll strafmündig. Also ist es den Jungen wohl zuzutrauen, eine politische Entscheidung zu treffen.

Wählen mit 16 könnte auch bewirken, dass sich mehr Jugendliche für Politik interessieren oder sich zumindest angesprochen fühlen. Die Kaderschmieden der Parteien quellen nicht gerade über mit hoffnungsvollen Jungtalenten.

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