"EU-Alleingang bei Flugzeug-Emissionen ohne USA ist Aktionismus"

Bollmann: "Single European Sky" für Klimaschutz wirksamer als Emissionshandel - Experten befürchten Wettbewerbsnachteile für europäische Fluggesellschaften

Wien (PWK863) - Der Luftverkehr in Europa ist für rund drei
Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich. Dies veranlasst die EU-Behörden, die europäischen Airlines in den Emissionshandel einzubeziehen.

Unverständlich ist allerdings, dass - offenbar aus Sorge vor internationalen Konflikten - die nichteuropäischen Fluggesellschaften mit Zielen in Europa nicht von Anfang an in das System eingebunden werden, erklärt dazu der Obmann der Bundessparte Transport und Verkehr, Harald Bollmann: "Klimaschutz ja, aber Aktionismus nein". Der europäische Alleingang greife auch der International Civil Aviation Organization ICAO vor, die nächstes Jahr zu dieser Frage eine Entscheidungsgrundlage vorlegen wird. Diese Studie soll Leitlinien für den Beitrag der Branche zum Klimaschutz enthalten.

Mit der jetzigen Einschränkung versuche die Kommission, Streitereien mit Ländern außerhalb der EU zu verhindern. Es sei aber nicht einzusehen, warum hier einseitig die amerikanische Luftfahrt bevorzugt werden soll, nachdem man die Europäer bereits im Konflikt mit den USA über die staatlichen Subventionen und bei den Security-Auflagen im Regen stehen gelassen hat, meint Bollmann.

Eine EU-Insellösung beim Emissionshandel widerspreche den Grundsätzen der Lissabon-Strategie, die gerade auf ein Weniger an staatlicher Regulierung setzt. Auch führe sie zu massiven Nachteilen für die europäischen Carrier im internationalen Wettbewerb. Die Folgen:
• Der europäische Luftverkehr wird im globalen Wettbewerb einseitig verteuert - so verliert Europa als internationale Verkehrsdrehscheibe an Attraktivität.
• Ressourcen und Kapital werden durch Bürokratie gebunden - wichtige Investitionen in umweltfreundliche Technologien müssen aufgeschoben werden.

Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft ist nach Meinung Bollmanns ab Jänner 2007 gefordert, das Thema Emissionshandel im globalen Kontext zu behandeln - zumal die US-Regierung bereits mit ihrem Widerstand gegen einen EU-Emissionshandel erfolgreich war. Umso wichtiger sei es, das "Single European Sky"-Programm entscheidend voranzutreiben. "Dessen Umsetzung ist seit vielen Jahren überfällig. Weitere Verzögerungen wären ein umweltpolitischer Skandal". Mit der Umsetzung des einheitlichen europäischen Luftraums werden CO2-Einsparungen von etwa acht bis zwölf Prozent erwartet. Darüber hinaus würden die Passagiere von der Zeitersparnis profitieren statt Verteuerungen hinnehmen zu müssen.

Nach den aktuellen Plänen der Kommission sollen europäische Fluggesellschaften ab 2011 mit Emissionsrechten handeln. Die Airlines aus Nichtmitgliedsstaaten sollen erst 2013 integriert werden. (hp)

Rückfragen & Kontakt:

Wirtschaftskammer Österreich
Bundessparte Transport und Verkehr
Dr. Erik Wolf
Tel.: (++43) 0590 900-3251
mailto: bstv@wko.at
http://wko.at/bsv

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK0004