AMS OÖ erschließt brachliegendes Fachkräftepotenzial

Linz (OTS) - In Oberösterreich hat die Beschäftigung einen Rekordwert erreicht: Seit 1945 waren in einem November noch nie so viele Menschen (585.800) beschäftigt. - Die Arbeitslosenquote wird im Jahresdurchschnitt von 4,7 % im Vorjahr auf heuer 4,3 % sinken. Damit wird Oberösterreich zum siebten Mal in Folge die niedrigste Arbeitslosenquote aller Bundesländer erreichen - Eine aktuelle arbeitsmarktpolitische Herausforderung sind Engpässe bei Fachkräften. Fachausbildungen für Jugendliche, Frauen und Personen mit Migrationshintergrund sind daher ein Schwerpunkt im Arbeitsprogramm des AMS OÖ für 2007.

Der Durchschnittsbestand an Arbeitslosen in Oberösterreich beträgt 25.200 Personen (Jänner bis November 2006). Die Zahl der Arbeitslosen verringert sich damit gegenüber 2005 um 2000 Personen. Die durchschnittliche Vormerkdauer der Arbeitslosen in Oberösterreich sinkt gegenüber 2005 von 71 auf 70 Tage. Österreichweit geht die Vormerkdauer von 122 auf 111 Tage zurück.

Arbeitslosenquoten 2006
(Hochrechnung AMS OÖ)

Burgenland: 8,5 % Kärnten: 7,9 % Niederösterreich: 7,0 % Oberösterreich: 4,3 % Salzburg: 4,5 % Steiermark: 6,8 % Tirol: 5,5 % Vorarlberg: 6,2 % Wien: 9,3 %

Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm 2006 wirkt

"Nur Arbeitslose, die im Aufschwung jobready sind, können diesen auch nutzen", verweist Landesgeschäftsführer Roman Obrovski auf die Funktion der vom AMS OÖ seit Jahren praktizierten aktivierenden Arbeitsmarktpolitik. Dabei geht es darum, die Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitsuchenden zu erhalten und zu verbessern und Perioden der Arbeitslosigkeit zu Quellen neuer Beschäftigungschancen zu machen.

Das AMS OÖ hat die positive Wirtschaftsentwicklung 2006 mit zahlreichen Qualifizierungsangeboten und Beschäftigungsförderungen flankiert. Die Zahl der Arbeitslosen in Oberösterreich sinkt seit April und die Zahl aller Beschäftigungslosen (Arbeitslose und Personen in AMS-Schulungen) seit Mai. Dieser Trend hält an.

Perspektiven

Das Forschungsinstitut Synthesis (Wien) geht davon aus, dass die Zunahme der Beschäftigung bis 2009 mit der Zunahme des Arbeitskräfteangebots Schritt halten kann und die Arbeitslosigkeit weiter leicht rückgängig sein wird. "Kommt es 2009 zur vollständigen Öffnung des Arbeitsmarktes für alle EU-Bürger, dann ist mit einem Anstieg der Vormerkungen beim Arbeitsmarktservice zu rechnen", heißt es in der Synthesis-Studie vom November 2006.

Herausforderung Fachkräftemangel

"In Oberösterreich herrscht auf absehbare Zeit in vielen Branchen ein Fachkräftemangel. Personen mit maximal Pflichtschulabschluss hingegen sind unter den Arbeitsuchenden nach wie vor überre-präsentiert", umreißt Obrovski eine zentrale Herausforderung für die Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik.

"Wir bilden verstärkt Jugendliche, Frauen und Arbeitskräfte mit Migrationshintergrund zu Fachkräften aus. 2007 werden wir unsere Akquisitionsaktivitäten auf offene Stellen fokussieren, die Bewerberinnen und Bewerber mit mindestens Lehrabschluss erfordern." Die Zahl der geförderten Lehrlinge stieg von 1400 im Jahr 2005 auf bislang 4300 im heurigen Jahr (alle Lehrjahre). Damit wurde heuer in Oberösterreich bereits jeder dritte Lehranfänger vom AMS OÖ gefördert. Mit Hilfe von FEM-Implacement sollen 2007 unter anderem mindestens 110 Frauen in techniknahen Berufen zum Lehrabschluss geführt werden. Mittels Individualförderungen sollen bis zu 700 Personen mit Migrationshintergrund eine qualifizierte Ausbildung erhalten.

Nachhaltigkeit von Schulungen

Nach derzeitigem Stand stehen dem AMS OÖ für nächstes Jahr Euro 90,8 Mio. als Förderbudget zur Verfügung (ohne 'Blum-Bonus' für zusätzliche Lehrstellen). Ein Hauptaugenmerk setzt das AMS OÖ im nächsten Jahr auf die Nachhaltigkeit von Schulungen: Rund 60 % der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen drei Monate nach Kursabschluss wieder einer Beschäftigung nachgehen.

Mag. Rudolf Moser, AK OÖ:
Qualität der Dienstleistungen gewinnt an Bedeutung!

Die immer ambitionierteren Geschäftsziele führen dazu, dass sowohl die Kund/-innen¬zufriedenheit als auch die Zufriedenheit und Motivation der AMS-Mitarbeiter/-innen an Bedeutung gewinnen. Erfolgreiche Arbeitsmarktpolitik, das Zusammenführen von Arbeitsuchenden und Betrieben mit offenen Stellen erfordert eine zunehmende Individualisierung der AMS-Dienstleistungen. Bei den bekannt knappen Personalressourcen gilt es daher Prozesse und Strukturen zu optimieren sowie die Beziehung zu den Kund/-innen durch einfache, unspektakuläre aber wirkungsvolle Maßnahmen zu pflegen. Im Arbeitsprogramm 2007 schlägt sich das beispielsweise mit Maßnahmen zur besseren Einbindung und Vorinformation der Arbeitsuchenden bei Kursen nieder. Als Interessensvertretungen der Arbeitnehmer/-innen (und dazu zählen auch Arbeitslose!) ist für uns die Verbesserung des Betreuungsplanes ein wichtiges Ziel - wir erhoffen uns von der eingesetzten Arbeitsgruppe rasch umsetzbare, wirkungsvolle Reformvorschläge.

All diese Optimierungsmaßnahmen sind aber kein Ersatz für eine Aufstockung des AMS-Personals, damit ein bisschen mehr Zeit für Beratungs- und Betreuungsgespräche bleibt. Die Personalbedarfserhebung ist mittlerweile abgeschlossen, nun liegt der Ball bei der Regierung bzw. beim Verwaltungsrat zusätzliche Planposten zu genehmigen.

Mittelfristiges Programm zur Höherqualifizierung notwendig.

Für Arbeiterkammer und ÖGB bietet die von allen Parteien zugesagte Erhöhung des AMS-Budgets bis 2010 die Chance ein mehrjähriges Programm mit mittelfristigen Zielen zu starten. Entsprechend den Empfehlungen des WIFO-Weißbuches soll damit ein intensives Höherqualifizierungsprogramm zur Unterstützung des Strukturwandels finanziert werden. Unser zukünftiger wirtschaftlicher Erfolg hängt davon ab, dass es uns gelingt aus dem Potenzial der Hilfskräfte -speziell aus den Zielgruppen Frauen und Migrant/-innen -qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen.

Neben einem entsprechenden Angebot an Ausbildungsangeboten, die zum Berufsabschluss führen, ist es aber auch notwendig für eine ausreichende Existenzsicherung der Lernwilligen zu sorgen. Deshalb hat das oö. Landesdirektorium gemeinsam eine Initiative in Richtung Verwaltungsrat gestartet, Teilnehmer/-innen an (länger dauernden) Ausbildungsmaßnahmen einen Schulungsbonus zu gewähren.

Die Arbeitnehmerkurie hat für ein solches mehrjähriges Programm im Verwaltungsrat die Initiative ergriffen. Angesichts der Vorlaufzeiten sind rasche Entscheidungen und Weichenstellungen notwendig.

KR Ing. Gerhard Buchroithner, WK OÖ
"Das Jahr 2006 hat sich in arbeitsmarktpolitischer Hinsicht positiv gestaltet."

Die deutliche Aufstockung der Mittel für die aktive Arbeitsmarktpolitik durch die Bundesregierung bzw. die sog. 'Blumförderung' haben den Arbeitsmarkt nachhaltig belebt. Oberösterreich konnte seine Spitzenstellung in der Lehrlingsausbildung dadurch noch einmal ausbauen. Neue Instrumente wie z.B. der Kombilohn haben zweifellos Zukunft, wenngleich bei den Rahmenbedingungen nachzujustieren bzw. die Akzeptanz bei allen Beteiligten zu erhöhen ist.

Das Jahr 2007 muss unter dem Motto 'Arbeitskräfte braucht das Land' stehen. Durch eine zielgerichtete und effiziente Arbeitsmarktpolitik müssen Arbeitskräfteangebot und -nachfrage noch besser als bisher zusammengeführt werden. Der Mangel an Arbeitskräften zeichnet sich bereits jetzt in gewissen Branchen massiv ab und wird in den nächsten Jahren zunehmen.

Folgende Maßnahmen sind aus Sicht der Wirtschaft insbesondere zu ergreifen:

* Die neuen Zumutbarkeitsregeln sind zu evaluieren (vor allem der bürokratische Entgeltschutz) bzw. ist die flächendeckende Umsetzung sicherzustellen. Die Vermittlung von Arbeitslosen
sollte landesgrenzenübergreifend erfolgen.

* AMS Kurse, die zweifellos die Chancen auf einen Job verbessern sind noch mehr als bisher auf die individuellen bzw. die Bedürfnisse der Wirtschaft abzustimmen. Implacementstiftungen haben sich bewährt und sollten weiter forciert werden. Aber auch die Förderung von Beschäftigten darf nicht vernachlässigt werden.

* Die AMS-Abteilung 'Service für Unternehmer' ist als Schnittstelle zwischen den Betrieben und dem AMS weiter auszubauen bzw. zu professionalisieren.

Rückfragen & Kontakt:

Arbeitsmarktservice OÖ
Mag. Sigrid Prentner, 0732/6963 DW 20231
Mag. Christine Dürrer-Roittner, DW 20210
Sigrid.Prentner@400.ams.or.at bzw
Christine.Duerrer-Roittner@400.ams.or.at

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