Ein Jahr nach Bad Reichenhall: Ziviltechniker sind für "Gebäude-Pickerl"

Architektenkammer-Präsident Gobiet: "Nicht erst auf Anlassfälle warten!"

Wien (OTS) - Auch wenn sich das winterliche Wetter derzeit ganz anders präsentiert als vor einem Jahr, gedenkt die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Wien, NÖ und Burgenland an die Tragödie von Bad Reichenhall. Am 2. Jänner 2006 stürzte dort nach heftigem Schneefall das Dach der Eishalle ein und forderte 15 Menschenleben. Präsident Andreas Gobiet, selbst Bauingenieur: "Auch Gebäude gehören periodisch gewartet. Wir sollten nicht immer erst auf Anlassfälle warten".

Gobiet weiters: "Während bei Autos eine permanente Kontrolle üblich ist und niemand die Notwendigkeit des jährlichen 'Pickerl' in Frage stellt, denkt man darüber bei Gebäuden anders". So erwarte der Benutzer, dass das Bauwerk beinahe unbegrenzt ohne Intervention überdauere. Dazu komme, dass sich diese Erwartung auch in vielen Bereichen erfüllt, und die Notwendigkeit einer Überprüfung erst recht nicht eingesehen werde.

Die Architekten und Ingenieurkonsulenten empfehlen daher als Konsequenz des Unglücks von Bad Reichenhall und anderer Halleneinstürze, "Gebäude regelmäßig auf ihre relevanten Risikofaktoren hin zu untersuchen", so Gobiet. Damit seien jene Eigenschaften gemeint, welche die Sicherheit der Bewohner betreffen. Konkret gehe es etwa um "Standsicherheit, Geländer, Brüstungen, Brandschutz, oder Gasleitungen".

Drastische Schäden an Gebäudeteilen entstehen nach Meinung der Ziviltechniker hauptsächlich durch außergewöhnliche Einwirkungen wie extreme Wettersituationen. Auch gute Planung ist gegen Naturkatastrophen machtlos. Vermeidbar sind aber Unglücksfälle, die durch Baumängel und Wartungsfehler bedingt sind.
Die Kammer möchte zu einem "Gebäude-Pickerl" in Form eines Befundes anregen, der ähnlich dem Energieausweis nach professioneller Analyse ausgestellt werden könnte.

Bauherren rät die Kammer unbedingt zu Wartungsverträgen mit den an der Errichtung der Gebäude beteiligten Firmen. Ob Dächer einstürzen, liegt nicht an deren Formgebung als Sattel- oder Flachdach, sondern an der Konstruktion. Gobiet rät grundsätzlich zu einer "sorgfältigen Planung und Bauüberwachung. Dafür garantieren Ziviltechniker, das heißt Architekten und Ingenieurkonsulenten".

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