"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Land verlassen" (Von Frank Staud)

Ausgabe vom 21. Dezember 2006

Innsbruck (OTS) - Was der 13-jährigen Anna vor ihrer Schule in Wilten widerfuhr, muss Konsequenzen haben. Hier kann niemand, weder Politik noch Exekutive, zur Tagesordnung übergehen.

Eine wild gewordene Horde riss der Jugendlichen büschelweise die Haare aus, trat ihr mit Knien ins Gesicht und fügte ihr mehrere Prellungen zu. Das Ganze hat sich nicht etwa in Chicago zugetragen, sondern im angeblich so sicheren Tirol. Grund für den Wahnsinn: Anna hat sich erdreistet, ihre Beziehung zu einem 14-jährigen Türken zu beenden. Kein Einzelfall. Auch anderen Mädchen wurden via Internet Racheaktionen angedroht.

In Schwaz prügelte eine Jugendbande einen 59-Jährigen, der Zivilcourage bewiesen hatte, krankenhausreif. Unaufgeklärt ist auch die Messerattacke in Sölden auf zwei junge Burschen. Sie hatten es gewagt, dem Angreifer keine Zigarette zu spendieren.

Mit Schönreden werden diese Probleme nicht gelöst. Und es ist auch völlig egal, ob die Gewalt von einheimischen oder ausländischen Gangs kommt. Gefragt sind zunächst die Eltern, die ihren Erziehungsaufgaben nachzukommen haben. Schon von frühester Kindheit an müssen Mütter und Väter ihren Sprösslingen ein Gefühl für den Umgang mit Gewalt geben. Und Grenzen setzen.

Gefordert sind aber auch Pädagogen mit Hirn und Herz. Bei manchen Lehrern wird man das Gefühl nicht los, dass sie heillos überfordert sind. Nur wer sich bei den Jugendlichen durchsetzt, wird respektiert. Wer das nicht kann, hat den falschen Job.

Höchste Zeit ist es wohl auch für ein Machtwort des Landeshauptmanns. Dass Herwig van Staa Anna und ihre Eltern nicht sofort in sein Büro eingeladen hat, ist kein starkes Signal. Tirols oberster Repräsentant muss klarstellen, dass niemand aus Sicherheitsgründen unser Land verlassen muss. Im Gegenteil: Jene, welche die Gesetze nicht einhalten, haben mit voller Härte zu rechnen.

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