WirtschaftsBlatt Kommentar vom 19. 12. 2006: Gentechnik: Es ist nicht aller Tage Abend - von Herbert Geyer

Auf Dauer werden Gentech-Verbote nicht zu halten sein

Wien (OTS) - Es ist also noch einmal gut gegangen: Eine
ausreichende Mehrheit der europäischen Umweltminister hat - bereits zum zweiten Mal seit Juni 2005 - gegen die von der EU-Kommission initiierte Aufhebung der österreichischen Gentechnik-Importverbote gestimmt. Österreich darf also weiterhin den Import gentechnisch veränderter Maissorten verbieten. Selbst Spanien, das einzige Land der EU, in dem grössere Mengen an gentechnisch verändertem Mais angebaut werden, hat Österreichs Standpunkt unterstützt.

Damit ist allerdings noch bei weitem nicht aller Tage Abend. Denn der EU-Kommission wird gar nichts anderes übrig bleiben, als auf den permanent steigenden Druck der Welthandelsorganisation WTO zu reagieren und einen weiteren Anlauf gegen das Importverbot zu unternehmen. Dahinter stecken massive Interessen von multinationalen Grossunternehmen wie Monsanto oder Aventis. Und die werden von den USA unterstützt, die nicht nur an einem liberalisierten Welthandel interessiert sind, sondern auch gerne jede Gelegenheit nutzen, um den Europäern zu beweisen, dass sie selbst im Glashaus sitzen, wenn sie Steine auf Protektionismen der USA werfen.

Diesen Druck wird die EU-Kommission - es bleibt ihr gar nichts anderes übrig - weitergeben, und es ist abzusehen, dass es irgendwann einmal keine Mehrheit im EU-Umweltministerrat geben wird, die gegen die Aufhebung des Verbots stimmt. Noch im Juni 2005 waren ja neben Österreich auch noch Deutschland, Frankreich Griechenland und Luxemburg auf der Anklagebank gesessen. Die von ihnen mit Verboten belegten Gen-Sorten wurden aber mittlerweile vom Markt genommen.

Und die Vorwände, mit denen Österreich sein Einfuhrverbot begründet, werden auch nicht besser: Bis jetzt gibt es ja keinen schlüssigen Beweis, dass gentechnisch veränderte Lebens- oder gar Futtermittel gesundheitsschädlich sind.

Es wird also Zeit, die Strategie zu ändern: Gen-Food stösst in ganz Europa (in den USA übrigens auch) bei den Konsumenten auf nahezu lückenlose Ablehnung. Es wäre also durchaus möglich und sinnvoll, das Problem auf die Konsumenten abzuwälzen. Wenn Lebensmittel aus Gen-Mais oder aus dem Fleisch mit Gen-Mais gefütterter Tiere auf den Markt kämen, würde sie niemand kaufen - vorausgesetzt, die Konsumenten merken es. Es reicht also völlig, eine vernünftige Kennzeichnungspflicht durchzusetzen. Und darauf sollten sich unsere Vertreter in Brüssel jetzt konzentrieren.

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