Rauch-Kallat am Tag der Menschenrechte: Islam verbietet Genitalverstümmelung

Gelehrten-Konferenz von Kairo: Genitalverstümmelung ist ein Verbrechen

Wien (OTS) - Täglich werden 8000 Mädchen vor allem in den islamisch geprägten Ländern der Sahelzone verstümmelt. Weltweit sind 150 Millionen Frauen betroffen.

Nachdem Gesundheits- und Frauenministerin Maria Rauch-Kallat schon während der EU-Präsidentschaft den internationalen Kampf gegen Genitalverstümmelung (FGM) forcierte, war vor wenigen Tagen, am 22. und 23. November, der nächste Erfolg zu verbuchen. Im Rahmen einer Konferenz diskutierten internationale Gelehrte und Mediziner in der Azhar-Universität in Kairo über Genitalverstümmelung. Das richtungsweisende Ergebnis dieser Konferenz: "Weibliche Genitalverstümmelung ist ein strafbares Verbrechen und verstößt gegen die höchsten Werte des Islam." Als österreichischer Vertreter nahm Imam Tarafa Baghajati an der Konferenz teil. Er steht in engem Kontakt mit dem BMGF und berichtete in Kairo über das Recht der Frau auf eine erfüllte Sexualität.

"Mit dieser Entscheidung hoher islamischer Glaubensvertreter können künftig Millionen Mädchen vor dieser unglaublichen Qual und Menschenrechtsverletzung geschützt werden", sagte Rauch-Kallat in einer Stellungnahme zum internationalen Tag der Menschenrechte.

Österreich habe in der Bekämpfung traditionsbedingter Gewalt eine Vorreiterrolle und verfolge einen Problemlösungskurs, der sowohl auf legislativer Ebene als auch im Bereich Opferschutz und Aufklärung ansetzt. Diese Strategie stoße weltweit auf sehr positive Resonanz.

Gemeinsam mit den Ministerinnen für Äußeres, Inneres, Justiz, Bildung/Wissenschaft/Kultur und soziale Sicherheit/Generationen/Konsumentenschutz habe Rauch-Kallat bereits 2005 eine Initiative gegen traditionsbedingte Gewalt gestartet. "Wir konnten dabei ein umfassendes Maßnahmenpaket entwickeln und umsetzen", sagte die Frauen- und Gesundheitsministerin. Neben der Erstellung einer Meldedatenbank über Fälle von Zwangsheirat und Genitalverstümmelung sowie der Durchführung einer Studie "FGM in Österreich" ist mit 1. Juli 2006 eine Änderung des StGB in Kraft getreten, nach der die Verjährungsfrist bei Genitalverstümmelung erst ab der Vollendung des 18. Lebensjahres beginnt.

"Der nächste Schritt im Kampf gegen FGM ist die Aufnahme von Genitalverstümmelung in die Curricula zur Ärzte/innen-Ausbildung. Derzeit laufen die Verhandlungen mit der Österreichischen Ärztekammer und der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe", so Rauch-Kallat.

Weiters seien geplant:

  • Die Implementierung eines Expert/inn/en-Gremiums im BMGF zur Erstellung eines Leitfadens über den Umgang mit FGM-Patientinnen für Ärzte/innen und medizinischem Personal. Diesem Gremium gehören Expert/inn/en des BMGF, Ärzte/innen und Vertreter/innen von FGM-Beratungseinrichtungen an.
  • Umfassende Informations- und Aufklärungsveranstaltungen für Multiplikator/inn/en über FGM und den Umgang mit FGM-Betroffenen (Elternvertreter/innen, Schulärzte/innen etc.).
  • Erarbeitung eines Ausbildungsprogramms zur "interkulturellen Konfliktmanagerin" mit Schwerpunkt "Traditionsbedingte Gewalt gegen Frauen" für Beraterinnen von Frauenberatungseinrichtungen (Ausbildungsstart: Jänner 2007). Ein erster Pilotdurchgang wurde bereits im November gestartet.

"Der Schutz von Frauen und Mädchen, die Information und Sensibilisierung aller Betroffenen ist eine ressort- und staatenübergreifende Aufgabe. Nur wenn alle mithelfen, wird es uns gelingen, die traditionellen Gewaltpraktiken einzudämmen", betonte Rauch-Kallat abschließend.

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