Lindner in "profil"-Interview: "ORF in ein paar Jahren so nicht mehr finanzierbar"

"Dann muss die Politik entscheiden was sie will" - gegen Wahlrecht der ORF-Betriebsräte

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" vertritt die scheidende ORF-Generaldirektorin Monika Lindner die Ansicht, dem ORF stünden harte Zeiten bevor: "Wir wissen alle, dass der ORF in ein paar Jahren so nicht mehr finanzierbar ist. Dann muss die Politik entscheiden, was sie will." Die Quoten des ORF seien im Vergleich mit den deutschen öffentlich-rechtlichen Anstalten ARD und ZDF immer noch hoch, "den ORF auf Dauer auf diesem hohen Niveau zu halten, wird sehr schwer sein".

Zu den Schwierigkeiten kommt noch die ausständige Wettbewerbsentscheidung der EU hinzu, ob öffentlich-rechtliche Sender bei Lizenzen um Sportübertragungen mitbieten dürfen. Lindner betont, dass sie es, wäre sie für ein privates TV-Unternehmen tätig, als "unglaublich wettbewerbsverzerrend" betrachten würde, dass der ORF mit seinen Rundfunkgebühren solche Lizenzen und die Rechte für die Ausstrahlung internationaler Spielfilme erwirbt.

Auf die Frage, ob sie wieder gewählt worden wäre, wäre sie nicht mit dem umstrittenen Chefredakteur Werner Mück im Paket angetreten, meint Lindner, Mück sei von Beginn an ihre Wahl gewesen, sie sei auch dazu gestanden. Allerdings sei "durch einen nur sporadisch vorhandenen Informationsdirektor" (Gerhard Draxler; Anm.d.Red.) ein Vakuum entstanden, "das eine machtbewusste Persönlichkeit wie Mück sofort ausfüllt". Auf die Frage, ob die Betriebsräte auch künftig den Generaldirektor des ORF mitwählen sollen, meint Lindner: "Ich halte das nicht für gut. Man sollte das überdenken."

Ihr Verhältnis zu ihrem Nachfolger Alexander Wrabetz bezeichnet Lindner als "sehr gut und stabil": "Wrabetz ist ein Mann, der noch lange nicht am Ende seiner Karriere steht. Warum soll er nur aus Loyalität zu mir auf ein solches Amt verzichten?"

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