"Kleine Zeitung" Kommentar: "Fromme Wünsche führen nicht in den Fußball-Himmel" (von Claudia Gigler)

Ausgabe vom 09.12.2006

Graz (OTS) - Mit dem SK Sturm hat's einen der ehemals Großen in
der kleinen Welt des österreichischen Profi-Fußballs erwischt. Und es wird - so pfeifen es die Spatzen von den Dächern - nicht der Letzte sein.

Die Krise ist nicht selten der Keim des Neubeginns. Der Kult um das runde Leder wird zwangsläufig einer farbloseren, dafür aber beständigeren Kultivierung des Geschäfts mit dem Volkssport weichen müssen.

Einen ersten Hinweis darauf lieferte Bundesliga-Vorstand Georg Pangl mit seiner Ankündigung, wonach eine Verschärfung der Bestimmungen des Lizenzierungsverfahrens beabsichtigt ist. Nicht aus freien Stücken, sondern unter dem Damoklesschwert drohender Haftungsklagen in Zusammenhang mit dem Exitus maroder Vereine.

Wie kommen sie dazu, fragen sich betroffene Gläubiger, dass sie zum Handkuss kommen, obwohl die Liga sie im Vertrauen gewiegt hat, dass die wirtschaftliche Bonität im Wege des Lizenzverfahrens überprüft und für gut befunden wurde? Die Liga, die sich derzeit auf Wirtschaftsprüfer der Vereine verlässt, wird sich etwas einfallen lassen müssen, um den Wert ihres Zeugnisses zu erhöhen.

Ein zweiter Hinweis ergibt sich aus den ersten Fortschritten rund um die Sanierung des SK Sturm. Die Zeiten, in denen Gönner um des Vergnügens willen Millionen springen ließen, sind vorbei. Die Vermarktung des Sports ist ein beinhartes und in anderen Sparten durchaus erfolgreiches Geschäft. Professionell haben in Sachen Fußball bisher nur die Vermittler der Spieler agiert, oft zu Lasten des jeweiligen von Emotionen regierten Vereins.

Der dritte Aspekt schließlich ist keine Erkenntnis, die nur dem Sport vorbehalten ist: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Alleinherrscher als Präsidenten, inkompetente oder willenlose Vorstände, Vereinsmitglieder ohne Recht und Stimme sind der Treibsand, in dem Millionen spurlos versinken.

Ohne die Herzen der Fans wäre kein Leben im Sport, aber das Fehlen der nötigen Substanz nimmt allem Leben die Kraft. Im Management des Profisports haben Amateure nichts zu suchen. Und bei der Kontrolle täte man gut daran, an sich selbst härtere Maßstäbe anzulegen als alle anderen.

Und dann gibt es da noch eine Binsenweisheit, an die zu guter Letzt noch zu erinnern ist: Ehrlich währt am längsten. Schwarzgeldeinnahmen als finanzielle Basis und Schwarzgeldzahlungen als verbotener Lockruf haben sich als vergängliche Illusion von Sicherheit erwiesen. Es gibt keine Garantie für den Erfolg. ****

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