Umweltdachverband: Land der Berge artenarm?

Appell an Regierungsverhandler zum Internationalen Tag der Berge am 11. Dezember 2006: Anstrengungen in Sachen Klimaschutz müssen vervielfacht werden!

Wien (OTS) - Wissen Sie, was das Sauter’s Felsenblümchen, den Schneefink und das Alpenschneehuhn verbindet? Sie sind alpine Bewohner, denen der Klimawandel schwer zu schaffen macht. "Dass die Gletscher schmelzen, ist nicht mehr zu übersehen. Doch auch bei Pflanzen und Tieren drohen drastische Artenverluste, wenn nicht rasch gegengesteuert wird", warnt Mag. Franz Maier, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, anlässlich des Internationalen Tages der Berge, der am 11. Dezember 2006 die Berge bereits zum vierten Mal weltweit in den Mittelpunkt rückt.

Vielfalt der Arten nimmt ab

"Dieser von der UNO ausgerufene Tag steht heuer im Zeichen der Artenvielfalt", so Maier. Infolge der Klimaerwärmung ist diese Biodiversität allerdings weltweit bedroht. In der Studie "Extinction risk from climate change" etwa berichtet ein internationales Forscherteam unter Leitung von Chris Thomas von der Universität Leeds, dass infolge der Klimaerwärmung über eine Million Arten bis zum Jahr 2050 von der Erde zu verschwinden drohen, falls der Treibhausgas-Ausstoß nicht weltweit drastisch reduziert wird. In den Alpen könnte sich die Klimaänderung besonders schnell und deutlich auswirken, da die Pflanzen- und Tierwelt häufig stark spezialisiert ist und sich über Jahrtausende an die vorherrschenden Klimabedingungen angepasst hat. "Noch dazu ist die Biodiversität alpiner Lebensräume im Vergleich mit tieferen Lagen überdurchschnittlich hoch - in Europa haben etwa 20 Prozent aller Gefäßpflanzenarten ihren Schwerpunkt in Regionen oberhalb der Waldgrenze - und gerade diese Alpenflora ist in raschem Höherwandern begriffen", betont Maier.

Auf den Gipfeln wird es eng für Fauna & Flora

Das bedeutet, dass es auf den heimischen Gipfeln für Sauter’s Felsenblümchen & Co. bald eng werden könnte. "Auf Grund der sich ändernden klimatischen Bedingungen könnten diese Spezialisten gegenüber neuen Konkurrenten im Nachteil sein", so Maier. Auch Tiere, wie der Schneefink, die ihre Brutgebiete in Höhenstufen ab 1.600 bis 1.800 Meter Seehöhe haben, könnten durch ein Ansteigen der Waldgrenze zurückgedrängt werden. "Schon bei einer weiteren Erwärmung - etwa um mehr als 2 bis 3 Grad Celsius - kann der Klimawandel zu einer der größten Bedrohungen für die Biodiversität in den Alpen werden", resümiert Maier.

Klimaschutz endlich ernst nehmen!

Aktuellen Studien zufolge zeichnet sich jedenfalls ein noch drastischeres Szenario ab: Allein in Österreich wird bis 2100 ein Ansteigen der Durchschnittstemperatur um vier Grad erwartet. "Das würde den Supergau für die Artenvielfalt in den heimischen Berggebieten bedeuten und Österreichs Zielsetzungen zur Erfüllung der Biodiversitätskonvention ad absurdum führen. Die Alarmglocken läuten von allen Gipfeln. Was muss noch passieren, damit der Klimaschutz in Österreich endlich ernst genommen wird?", fragt Maier. Denn eines steht fest: Österreich hat seine Hausaufgaben in Sachen Klimaschutz bis dato schmählich vernachlässigt und wird daher - laut Prognose der EU-Kommission - sein Ziel zur Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2010 nicht erreichen.

"Die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung unseres Landes müssen sofort gestellt werden. Klimaschutz muss in das Zentrum des politischen Handelns gerückt werden! Die nächsten Jahre sind entscheidend. Es muss umgesteuert und alles Menschenmögliche getan werden, um das Aufhalten des Klimawandels zu erreichen. Passiert nichts, wird die Artenvielfalt in den Alpen in wenigen Jahrzehnten Geschichte sein. Wir werden die Koalitionsverhandlungen vor allem an ihrem Beitrag zum Klimaschutz messen", so Maier abschließend.

Fotos Sauter's Felsenblümchen und Schneefink zum Download auf:
www.umweltdachverband.at/service/presse/tagderberge_081206.htm

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Tel.: 01/40 113-21
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