WirtschaftsBlatt Kommentar vom 7. 12. 2006: Ein Pyrrhussieg für ÖBB-Chef Huber - von Herbert Geyer

Hahnenkämpfe als öffentliche Hinrichtung zu inszenieren, schadet den ÖBB

Wien (OTS) - Für ÖBB-Chef Martin Huber ging es gestern um die Wurst: Nachdem heuer im Sommer sein mit grossem medialen Getöse inszenierter Versuch gescheitert war, Personenverkehrs-Chefin Wilhelmine Goldmann aus ihrem Amt zu hebeln, ging es im Aufsichtsrat der Infrastruktur Bau AG auch um Hubers eigenen Kopf. Wäre er auch im Fall Alfred Zimmermann mit seinem Versuch, eine Entlassung zu erreichen, gescheitert, dann wäre ihm wohl nicht viel anderes übriggeblieben, als selbst den Hut zu nehmen. Zu sehr hatte er sich öffentlich gegen seinen Widersacher exponiert, zu klar erkennbar war seine Absicht, sich durchzusetzen, als dass er nach einer neuerlichen Niederlage einfach zur Tagesordnung übergehen hätte können.

Martin Huber hat also seinen Kopf gerettet. Jedenfalls vorerst. Denn natürlich geht die Causa Zimmermann in die Verlängerung. Der geschasste Manager hat bereits angekündigt, alle zur Verfügung stehenden Mittel auszunützen, um die Entlassung rückgängig zu machen.

So weit sich die Sachlage von aussen beurteilen lässt, stehen seine Chancen nicht schlecht: Die ihm zur Last gelegten Iran-Geschäfte eines ihm von der FPÖ auf's Aug' gedrückten Sub-Managers geschahen offenbar mit Wissen von ÖBB-Chef Huber und Verkehrsminister Hubert Gorbach, während Zimmermann immerhin seine Unterschrift darunter verweigerte. Die ihm zum Vorwurf gemachte Anschaffung eines teuren Waggon-Scanners liegt im Pouvoir eines Vorstandes. Und wenn ein von ihm initiiertes Gesundheitsprogramm um drei Millionen Euro tatsächlich die Krankenstandskosten um 30 Millionen gesenkt hat, dann ist es ziemlich egal, wie und an wen er den Auftrag dafür vergeben hat. Da sind wir aus der Umgebung Hubers - Stichwort Beraterverträge für Aufsichtsratspräsident Fredmund Malik - Schlimmeres gewöhnt.

Dringt Zimmermann aber mit seiner Anfechtung durch, dann bleibt Huber wohl nichts anderes übrig, als den Hut zu nehmen. Für die ÖBB wäre es besser, wenn er nicht so lange zuwarten würde.

Denn Kämpfe um die interne Hackordnung mögen auch in anderen Unternehmen zuweilen vorkommen. Geschickte Manager gehen beim Ausbooten gefährlicher Konkurrenten allerdings so vor, dass davon -ausser deren allfälliger Ablöse - nichts nach aussen dringt. Hubers Stil, seine Hahnenkämpfe als öffentliche Hinrichtungen zu inszenieren, schaden dem Unternehmen auf jeden Fall - selbst wenn er in der Sache Recht hätte.

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