Betreuungsprojekt für Familien

Wien (OTS) - Verfolgung, Krieg und Exil - diese Erlebnisse hinterlassen in einem Menschen tiefe Spuren. Viele der nach Österreich Geflüchteten, allen voran Familien aus Krisen- und Kriegsgebieten, benötigen daher psychologische Unterstützung. Der Verein Ute Bock hat ein Projekt initiiert, in dem es um die Betreuung geflüchteter Kinder und ihrer Angehörigen geht.

Masud U. fühlt sich unendlich müde. Nachts kann er nicht schlafen. Tagsüber sieht er sich kaum imstande, den Alltag zu bewältigen. Den Haushalt überlässt er größtenteils seiner Tochter, die sich mit ihren elf Jahren auch um die Erziehung ihrer beiden Brüder im Kindergartenalter kümmert. Von der Mutter wird nie gesprochen. Auch die Wohnbetreuerin weiß nur, dass sie während des Kriegs in Tschetschenien ermordet wurde.

Die engagierte Flüchtlingshelferin Ute Bock ist mit derartigen Fällen tagtäglich konfrontiert. Um Flüchtlinge in einer solchen Situation helfen zu können, haben sie und ihre Mitarbeiter ein eigenes Projekt zur psychosozialen Betreuung von AsylwerberInnen initiiert. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Familien aus Kriegsgebieten wie Tschetschenien.

Die Projektleiterin, die Psychologin Ljiljana Muslic, konnte in ihrer bisherigen Arbeit mit Flüchtlingsfamilien in Bosnien spezifische Erfahrung in der Betreuung und Behandlung kriegstraumatisierter Kinder und Eltern sammeln.

Kinder und Familien als Kriegsopfer

Das Leid der Überlebenden von Krieg und Verfolgung überträgt sich auf die gesamte Familie. Viele Kinder von Folteropfer haben Schwierigkeiten und Probleme, die in direktem Zusammenhang mit den Erfahrungen der Eltern stehen, auch wenn sie erst nach dieser Zeit geboren wurden und selbst nichts davon miterlebt haben.

Viele Kinder werden von ihren Eltern zudem mit Rollenerwartungen konfrontiert und müssen Aufgaben übernehmen, die für ihr Alter unangemessen sind- Sie werden zum "Außenminister der Familie". Kinder verlieren dadurch die Illusion der idealisierten, "perfekten" und allmächtigen Eltern, die sie nun als schwach, hilflos und selber schutzbedürftig erleben. So kann es durchaus vorkommen, dass minderjährige Kinder versuchen, für ihre völlig verzweifelten Eltern eine elterliche Schutzfunktion einzunehmen.

Aus Untersuchungen geht hervor, dass Flüchtlingskinder überdurchschnittlich oft an Angst, Schlafstörungen, Depressionen, Aggressionen, psychosomatischen und anderen Symptomen leiden. Viele Kinder weisen also ein ähnliches Beschwerdebild wie ihre Eltern auf.

Der scheinbar so ferne Krieg findet dann seine Fortsetzung Nacht für Nacht in den Träumen oder spiegelt sich in den Spielen und Zeichnungen von Flüchtlingskindern wider.

Ein Weiterleben mit und trotz der leidvollen Erfahrungen ist schwierig. An Traumatisierungen leidende Menschen benötigen daher ein stabiles soziales Umfeld, psychologische Betreuung, respektvolle Behandlung und eine Umgebung, in der sie wieder Selbstwertgefühl und Vertrauen erlernen können.

Zu wenige Therapieplätze

Wer die Lebenssituation von AsylwerberInnen in Österreich kennt, weiss, daß ihnen hier oft genau das Gegenteil widerfährt. Besondere Betreuungsplätze mit einem adäquaten therapeutischem Angebot gibt es nicht, da sich die politisch Verantwortlichen nicht über die Finanzierung einigen konnten.
Ute Bock und ihr Team haben sich daher entschlossen, aktiv zu werden, um den akuten Bedarf an Betreuungsplätzen zumindest teilweise abzudecken.

Die Maßnahmen im Einzelnen

Das Familienprojekt umfasst folgende Leistungen: - Psychologische Betreuung - Vermittlung von Therapieplätzen - Ausbildungsunterstützungen (Schule) - Wohnungen für die betroffenen Familien - Kostenlose Deutsch- und EDV-Kurse für die Eltern - Wöchentlicher Spiel- und Ausflugstag

Spenden

Wir danken der Hausbetreuungsfirma Attensam, deren Sponsoring zum erfolgreichen Start des Familienprojekts beiträgt. Der Freizeitnachmittag wird durch die Unterstützung der Investkredit Bank und der Stiftung Kindertraum ermöglicht.

Um unser Familienprojekt auch in Zukunft durchführen zu können und langfristig planen zu können, suchen wir dringend Sponsoren und private SpenderInnen (Spenden unter dem Kennwort "Familienprojekt" auf das Konto Verein Ute Bock, Bawag BLZ 14 000 Kontonr:
01910-807-249).

Stichwort Traumatisierung

"Trauma" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Wunde, aber auch Verlust. Traumatisierte Menschen müssen mit der Erfahrung schwerer körperlicher und/oder seelischer Verletzungen leben.

Sie müssen einschneidende Ereignisse wie Verfolgung, Folter, Vergewaltigung oder den gewaltsamen Tod von Familienangehörigen und Freunden - nicht selten vor ihren Augen - verarbeiten. Solche Erlebnisse bedeuten auch immer einen tiefen Verlust von Sicherheit.

Die Symptome der Traumatisierung (Psychologen sprechen von "posttraumatischen Belastungsstörungen") können variieren: Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit, Depressionen, Konzentrationsstörungen, wiederkehrende quälende Erinnerungen, um nur einige mögliche Folgen von traumatischen Erfahrungen zu nennen. Sehr oft drückt sich das seelische Leiden auch in körperlichen Beschwerden aus. In jedem Fall ist das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigt.

Rückfragen & Kontakt:

Jürgen Stowasser
juergen.stowasser@fraubock.at
(01) 929 24 24- 21
0699 - 119 20 200
Nähere Informationen zu Ute Bock und ihrem Flüchtlingsprojekt:
www.fraubock.at

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