Neues Volksblatt: "Interesse" (von Markus Ebert)

Ausgabe vom 6. Dezember 2006

Linz (OTS) - Die Koalitionsverhandler haben's gut. Das mediale Drängen auf eine rasche Regierungsbildung ist abgeflaut, dazugelernt hat man auch: Man sucht die Öffentlichkeit lieber erst dann, wenn etwas vorzuweisen ist, und nicht mehr (nur), wenn man wieder etwas Neues fordert. Nachdem nicht mehr jedes Wort auf die mediale Waagschale gelegt werden muss, kann offenbar sachorientierter verhandelt werden. Freilich: ob's wirklich reicht, wird man - um einen beliebten Politikersatz zu zitieren - erst am Ende des Tages sehen.
Im übrigen scheinen die wirklichen Probleme ohnehin anderswo angesiedelt zu sein. Wenn die Frage, ob der Nikolaus im Kindergarten etwas zu suchen hat, tagelang die Nation beschäftigt, dann weiß man, was Prioritäten sind. Doch es kommt, schenkt man der FPÖ Glauben, noch schlimmer: Das Sparschwein sei in Gefahr, weil es die Banken gläubigen Moslems nicht mehr zumuten wollen. Und dieses Bedrohungspotenzial ist beliebig erweiterbar: der Plastikchristbaum verdrängt die echte Tanne, das Bleigießen schädigt die Umwelt, die Heiligen Drei Könige...
Und da soll sich noch irgendwer für Koalitionsverhandlungen interessieren?

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