ÖGAM kritisiert Apotheken-Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit"

Wien (OTS) - Ergebnisse massiv angezweifelt. Apotheker als Kooperationspartner der Allgemeinmediziner hinsichtlich der Sensibilisierung der Bevölkerung für die Vorsorgeuntersuchung Neu, aber nicht als Diagnostiker und Epidemiologen.

Die im Oktober dieses Jahres in den österreichischen Apotheken durchgeführte Aktion "10 Minuten für meine Gesundheit" stößt in der Ärzteschaft insbesondere aufgrund der im Nachhinein präsentierten Daten auf massive Kritik und Unverständnis. Im Rahmen dieser Aktion, die vom 10. bis zum 14. Oktober in den österreichischen Apotheken abgehalten wurde, wurden die fünf Gesundheitswerte Blutdruck, Cholesterin, Bauchumfang, Blutzucker und Gewicht vonseiten der Apotheker gemessen. Für dieses Screening wurden die Apotheker kurze Zeit geschult. "Die Ungenauigkeit der Datenerhebung bedingt, dass die Ergebnisse und die Schlussfolgerungen daraus keinen überprüfbaren Aussagewert ergeben", gibt Dr. Erwin Rebhandl, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM) kritisch zu bedenken.

Daten nicht repräsentativ: Epidemiologische wie Wissenschaftliche Mängel

Die von der Apothekerkammer auf Basis dieses Screenings veröffentlichten Daten können in dieser Form nicht als epidemiologisch relevant angesehen werden. Weder die ausgewiesenen Werte hinsichtlich der Personen mit erhöhten Cholesterinwerten noch die Angaben betreffend der Diabetiker und der adipösen Patienten spiegeln die Realität in der Gesamtbevölkerung wider. "Ich bezweifle, dass die Apotheker die Cholesterinwerte der Personen im nüchternen Zustand erhoben haben, da die wenigsten Leute am Nachmittag noch nicht gegessen oder getrunken haben. Zudem wurden Teststreifen verwendet. Ebenso anzweifeln muss man die Exaktheit der Bauchumfangmessung, da das Entkleiden des Oberkörpers in der Apotheke schwierig sein kann", so Rebhandl. Die Allgemeinmediziner bezweifeln auch die Verwertbarkeit der Blutzuckermessung und damit das Erkennen von Diabetikern. "Die Diagnose des manifesten Diabetes mellitus erfolgt in erster Linie durch die Messung mehrfach erhöhter Nüchternblutzuckerwerte an verschiedenen Tagen im Plasma oder Vollblut. Voraussetzung dafür ist jedenfalls der Einsatz von qualitätsgesicherten Tests. Teststreifen werden dabei nicht als ausreichend genau angesehen. Die einmalige Blutzuckermessung mit Teststreifen kann also auf keinen Fall berechtigen, die Diagnose Diabetes zu stellen", ergänzt Rebhandl. Laut Österreichischem Diabetesbericht aus dem Jahr 2004 sind in Österreich zwischen 300.000 und 400.000 Typ-2-Diabetiker in ärztlicher Behandlung, das sind vier bis fünf Prozent der Bevölkerung. Die Behauptung der Apothekerkammer, dass bisher eine Häufigkeit von zwei Prozent angenommen wurde, ist nicht nachvollziehbar. Auf Grund der groben methodischen Mängel sind massive Zweifel an der Validität der präsentierten Daten angebracht.

Auf größtes Ärgernis jedoch stößt die präsentierte Zahl der Hypertoniker, da die Diagnostik aufgrund der Schwankungsbreiten des Blutdrucks einer Reihe von Messwerten bedarf. Die Österreichische Gesellschaft für Hypertensiologie hat im wissenschaftlich fundierten Konsensuspapier mit der ÖGAM empfohlen, mindestens 30 Messwerte zu erheben, um den Blutdruck zu evaluieren. "Wenn von diesen 30 Messwerten sieben oder mehr über 135/85 mmHg liegen, dann erst kann man von einer Hypertonie sprechen", erklärt Rebhandl.

Apotheker sind keine Ärzte: Patienten durch falsche Diagnosen in trügerischer Sicherheit

Ein Apotheker sei kein Arzt und darf auch nicht Teile der diagnostischen Tätigkeiten ausüben. Wie sich die Blutabnahme bzw. die zweifelhaften Diagnosen und Therapien vor der Ethikkommission rechtfertigen lassen würden, ist dem Vorstand der ÖGAM nicht klar. "Es sind in der Ärzteschaft Fälle bekannt geworden, wo Diabetiker und Hypertoniker mit erhöhtem Schlaganfallrisiko vom Apotheker in seiner Diagnose als unbedenklich weggeschickt wurden und sich in einer trügerischen und lebensgefährlichen Sicherheit wiegen. Diese Patienten suchten den Arzt nun nicht mehr auf, weil sie glaubten, mit den Untersuchungen in der Apotheke ausreichend kontrolliert zu sein. Tatsächlich waren die Patienten aber so unzureichend medizinisch versorgt. Das ist eine bedenkliche und untragbare Entwicklung in der Gesundheitsversorgung dieses Landes", so Univ.-Prof. Dr. Manfred Maier, Vorstandsmitglied der ÖGAM.

Sinnvolle Kooperation zwischen Apothekern und Allgemeinmedizinern notwendig

Die Zusammenarbeit zwischen den Apothekern und den Allgemeinmedizinern könnte durch eine sinnvolle und zweckmäßige Gestaltung einen enormen Versorgungsprofit für die Österreicher und Österreicherinnen bedeuten. Der Apotheker sollte aufgrund seiner Stellung in der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung die Patienten beraten und sie zur Abklärung von Leiden zum Allgemeinmediziner verweisen. "Der Apotheker sollte nicht zum Diagnostiker und Epidemiologen werden, sondern trägt in seiner beratenden Funktion viel zum Dialog zwischen den Verantwortungsträgern in der Gesundheit und der Bevölkerung bei. Dies wäre im Sinne der übergreifenden Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker von Seiten der Allgemeinmediziner durchaus wünschenswert", erklärt Rebhandl.

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